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Illegale Plattform, Fakeshops – Verdächtiger sitzt in Haft

Mehr als 1.000 Opfer, mindestens 323.000 Euro Schaden: Nach jahrelanger Suche wird ein mutmaßlicher Fakeshop-Betreiber auf Mallorca gefasst. Und er hat wohl noch mehr auf dem Kerbholz.

Von dpa

08.05.2026

Cyber-Ermittler legen Fakeshop-Betreiber das Handwerk. (Archivbild)Uli Deck/dpa

Cyber-Ermittler legen Fakeshop-Betreiber das Handwerk. (Archivbild)Uli Deck/dpa

© Uli Deck/dpa

Nach jahrelangen Ermittlungen ist ein mutmaßlich führender Betreiber von Fake-Onlineshops und mutmaßlicher Drahtzieher einer illegalen Handels-Plattform gefasst worden. Der 35 Jahre alte Mann aus dem Kreis Recklinghausen in Nordrhein-Westfalen soll rund 1.000 Menschen um teils erhebliche Summen gebracht haben. Er sei vor zwei Tagen auf Mallorca festgenommen worden und sitze in Auslieferungshaft, teilte das Cybercrime-Zentrum (CCZ) Baden-Württemberg mit. 

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sprach von einem harten Schlag gegen die internationale Kriminalität. Über die kriminelle Onlineplattform seien unter anderem Drogen, gefälschte Dokumente und gestohlene Daten angeboten worden. „Der Kampf gegen die Kriminalität im Cyberraum nimmt ständig an Bedeutung zu“, betonte der CSU-Politiker. „Die aktuelle Festnahme ist ein Nachweis der Wirksamkeit unserer Gegenmaßnahmen und der intensiven europäischen Zusammenarbeit.“

Underground Economy

Der Verdächtige lebte nach Angaben des CCZ seit Jahren unter falscher Identität auf der spanischen Insel und gilt als einer der mutmaßlich führenden Köpfe in der deutschsprachigen sogenannten Underground Economy. Dabei handelt es sich um kriminelle Netzwerke im Darknet sowie im Internet, die illegale Waren und Dienstleistungen anbieten. 

Er gilt zudem als Betreiber der kurz nach ihrer Abschaltung neu aufgebauten illegalen Online-Handelsplattform „Crimenetwork“, wie gleichzeitig die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) in Frankfurt und das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden mitteilten. Die Neuauflage der Plattform, auf der gestohlene Daten, Drogen und gefälschte Dokumente angeboten wurden, wurde demnach am Tag der Festnahme abgeschaltet. 

Deren rund 22.000 Nutzer hatten ihre Transaktionen über Kryptowährungen abgewickelt - Umsätze in Millionenhöhe stehen im Raum. Ermittler fanden umfangreiche Nutzer- und Transaktionsdaten und stellten rund 194.000 Euro sicher. Weitere Angaben gab es dazu noch nicht. Wann der 35-Jährige nach Deutschland ausgeliefert wird, ist den Angaben zufolge noch offen. 

Betrug mit täuschend echt aussehenden Fake-Onlineshops

Dem Mann wird vorgeworfen, zwischen März 2023 und Januar 2025 mehr als 40 täuschend echt gestalteter Shops im Internet betrieben zu haben, wie es weiter hieß. Die Betrugsopfer hatten Produkte bestellt und Geld überwiesen, aber niemals Ware erhalten. Der Schaden beläuft sich demnach auf mindestens 323.000 Euro.

Ermittler vor allem der Polizeipräsidien Reutlingen und Offenburg hätten maßgeblich dazu beigetragen, den Verdächtigen zu identifizieren, hieß es. Die bislang identifizierten Opfer stammten unter anderem aus Offenburg, Reutlingen, Freiburg, Karlsruhe und Stuttgart. Betroffen seien darüber hinaus Menschen aus zahlreichen Landkreisen in Baden-Württemberg und aus allen anderen deutschen Bundesländern. 

Bitcoin und Datenträger sichergestellt

Zeitgleich mit der Festnahme seien neben der Wohnung des Mannes auf Mallorca auch Objekte in Deutschland durchsucht worden, darunter die von zwei mutmaßlichen Komplizen aus Kaltenkirchen in Schleswig-Holstein und Unna in Nordrhein-Westfalen. In der Wohnung des Hauptverdächtigen auf Mallorca sicherten die Ermittler Bitcoin im Wert von rund 314.000 Euro. Auch Datenträger seien beschlagnahmt worden.