„Glücksfall“ für Kelten-Forschung: Schülerin findet Armreif
An einer Wiese birgt eine Schülerin einen schmutzigen Metallreif und trägt ihn nach Hause. Der Zufallsfund entpuppt sich als archäologischer Schatz - und macht das Mädchen zu einem echten Vorbild.
Der Zufallsfund eines rund 2.700 Jahre alten Bronzearmrings gilt als Glücksfall für die Erforschung der Kelten.Christian Lademann/dpa
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Mit ihrem Zufallsfund eines Bronzearmrings ist der zwölfjährigen Schülerin Lilly Then eine kleine archäologische Sensation gelungen: Am Rand einer Wiese im Büdinger Stadtteil Aulendiebach in der Wetterau entdeckte das Mädchen, das dort mit einer Freundin unterwegs war, den am Boden liegenden Armring. Mittlerweile steht fest: Es handelt sich um ein rund 2.700 Jahre altes Schmuckstück aus der frühen Eisenzeit, das dank Lillys Umsicht seinen Weg in das Museum Keltenwelt am Glauberg gefunden hat.
Der massive Armring aus Bronze war nach Einschätzung der dortigen Experten Teil einer eisenzeitlichen Tracht. Als charakteristisch für die sogenannte Hallstattzeit - einer frühen Epoche der keltischen Kultur - gelten ein runder Stabquerschnitt, verdickte Enden und eine feine Rippenverzierung des Reifs. Meist seien solche Schmuckstücke als Grabbeigaben überliefert worden und gäben wichtige Hinweise auf Kleidung, Schmuckvorlieben und gesellschaftliche Rollen in jener Epoche. Dass sie so vollständig erhalten wie in diesem Fall gefunden werden, sei selten, sagte der Direktor des Museums, Marcus Coesfeld.
Fundstück im Müllbeutel geborgen
Damit mache der Armring ein weiteres Mal deutlich, dass der Glauberg bereits seit der frühen Eisenzeit besiedelt war. Zudem könnten solche Einzelfunde wichtige Hinweise auf mögliche bisher unentdeckte Grabhügel bieten - und seien deshalb ein Glücksfall für die Forschung.
Nach dem Fund des rund 2.700 Jahre alten Bronzearmrings hat die zwölfjährige Lilly dafür gesorgt, dass das Schmuckstück den Weg ins Museum findet.Christian Lademann/dpa
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Lilly Then war nach eigenen Worten bereits in der Grundschulzeit „bei den Kelten zu Besuch“, und auch in der Gesamtschule Konradsdorf im gleichnamigen Ortenberger Ortsteil sei das Thema bereits behandelt worden, sagte die Zwölfjährige. Als sie den Armring fand, habe sie schon geahnt, dass dieser sehr alt sein müsse. Sie packte das zunächst sehr schmutzige Schmuckstück mit Wasser in einen Müllbeutel, nahm in mit nach Hause und zeigte ihn ihrer Mutter Martina Then.
Schulleiter verständigte Kelten-Forschungszentrum
Über eine Bilder-Suche im Internet habe ihre Mutter herausgefunden, dass es sich um einen keltischen Armreif handeln dürfte. Das Mädchen nahm das Fundstück daraufhin mit in die Schule, wo schließlich der geschichtsbegeisterte Schulleiter Tobias Stolte von ihm Kenntnis erlangte. Er verständigte daraufhin den Leiter des Forschungszentrums der Keltenwelt am Glauberg.
Der massive, rund 2.700 Jahre alte Bronzearmring ist ungewöhnlich gut erhalten.Christian Lademann/dpa
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Mit ihrem Verhalten sei Lilly ein großes Vorbild, sagte Coesfeld, und dankte der Schülerin ausdrücklich. Der Armring werde jetzt zunächst im Tresor der Keltenwelt aufbewahrt und zum Glauberg-Jubiläum am 28. Juni in dem Museum ausgestellt. Vor 30 Jahren war die weltberühmte Statue des Keltenfürsten an dem Berg entdeckt und geborgen worden. Der Reif soll danach im Wiesbadener Schloss Biebrich verbleiben, möglich wäre aber längerfristig eine Aufnahme in die Sammlung des Museums in der Wetterau.
Den genauen Fundort wollten die Experten derweil auch aus Sorge vor möglichen Raubgrabungen nicht nennen - denn Sondengänge sind rund um den Glauberg nach wie vor ein Thema. Durch Begehungen werde man die Umgebung der Fundstelle jetzt zunächst in den Blick nehmen, hieß es.