LeserbriefeFREI

Ich empfehle das Buch „Verweiblichung als Schicksal“

Gendern

Donnerstag, 22. April 2021 - 09:30 Uhr

von Johannes Sieverding (Borken)

Leserbrief zum Leserbrief von Beate Foremny „Es ist kein Luxusproblem, sondern eine schlichte Notwendigkeit“.

Foto: Lohaus

Ende 1970er Jahre habe ich mir das Buch „Verweiblichung als Schicksal“ zugelegt habe, es aber zu früh entsorgt. In dem Buch wurde das Thema noch von mehreren Autoren beleuchtet.

Ich empfehle es auch Frau Foremny. Im veröffentlichten Leserbrief ging es mir in erster Linie gar nicht um das Gendersternchen, sondern um gesellschaftliche Entwicklungen. Worte wie Kampf und Sieg von Christine Enning in ihrem Gastbeitrag vom 11. März gefallen mir nicht. Auch die Meinung über die Mädels in ihrem Dorf ist hoffentlich nicht abwertend gemeint, lässt sich aber so deuten.

Richtiges Genderwort? Stellen sie sich vor, ich hätte dieses Wort gebraucht! Ich habe die besten Erinnerungen an das Industriedorf, da ich bei Schmeing 1957/58 in den Semesterferien mein Geld fürs Studium verdient habe.

Drei Generationen leben in unserem Haus: meine Frau und ich, unser Sohn und sein jüngster Sohn. Beide arbeiten in leitender Stellung bei hiesigen Firmen und tragen Verantwortung auf Großbaustellen, der Enkel

zurzeit in Düsseldorf. Im letzten Jahr hat er zum zweiten Mal eine Firmeninsolvenz überstanden und einer von beiden war vom Virus

infiziert. An den Wochenenden ist immer reger Gedankenaustausch. Bei solchen Gesprächen ist der Begriff Luxusproblem entstanden. Die Wortschöpfung stammt nicht von mir. Am Sonntag hat mein Enkel alle Schreiben über Genderprobleme kopiert, und ich stelle mir vor, wie er am Feierabend mit seinem Kollegen debattiert. Leider können seine

Leiharbeiter über solche Probleme nicht mitreden. Er und seine Kollegen, die jeweils zu zweit in einer angemieteten Ferienwohnung

leben, wundern sich schon, wenn sie das Treffen der Studentinnen unter Corona-

Bedingungen dargestellt bekommen.

Für die Zukunft, die für mich wahrscheinlich sehr kurz sein wird, werde ich weiterhin beobachten und feststellen, dass die Verweiblichung (ein N-Wort?) schicksalhaft ist. Über den heute bestehenden Gerechtigkeitsfanatismus ließe sich trefflich streiten. Dass im Telefonbuch bei mir Lehrer angegeben ist, war vom Schulamt so erwünscht. Ob ich jemals als Lehrerin „betitelt“ worden bin? Auf so eine Frage muss man erst mal kommen. Ich vermute, dass auf Ihrer Ernennungsurkunde schon Frau Foremny steht.

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