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Leserbriefe

„Heutzutage völlig überholt“

Karl Marx

Donnerstag, 21. Juni 2018 - 09:16 Uhr

von Walter Schiffer (aus Borken)

Leserbrief zum Artikel: „Zum 200. Geburtstag des Philosophen: ein Besuch bei der Kreis-DKP. Wo Marx noch immer Pflichtlektüre ist“.

Foto: Josef Barnekamp

Halten auch 200 Jahre nach dessen Geburt an Karl Marx und seinen Ideen fest (von links): Paul Tenbusch, Wolfgang Quere und Georg Tenbusch.

Jiddischsprachige Journalisten haben sich das Sprichwort zu eigen gemacht: Tauch‘ die Feder erst ins Gewissen und dann in die Tinte. Man möchte es dem Autor zurufen, wenn man liest, dass Marx „heutzutage völlig überholt“ sei und seine Ideen in den politischen Systemen „krachend“ gescheitert seien. Auch für Nicht-Marxisten ist eine solch undifferenzierte Abwertung ärgerlich.

Erstens ist das Werk einer Person von dessen Funktionalisierung zu trennen (Leninismus etcetera). Zweitens ist mir keine Theorie bekannt, die nach mehr als 150 Jahren nicht aktualisiert werden müsste. Drittens zeigen Publikationen gerade der letzten Monate von ausgewiesenen nicht-marxistischen Forschern die Aktualität einzelner Theoriefragmente (zum Beispiel für die Armutsdebatte, den Begriff der Arbeit, Finanzkapitalismus, Globalisierung). Oder zum Beispiel in anderen Bereichen: Heute wird Marx neben Platon, Rousseau, Montessori etcetera in die Reihe der Klassiker (nicht der Pädagogik, aber) für die Pädagogik eingereiht. Oder: Marx spricht bereits 1844 (Pariser Manuskripte) von der Natur als dem Leib des Menschen – Gedanken, die heute Natur- und Leibphilosophien aufgreifen.

Also: Nicht nur dem Autor des Artikels sei eine kritische Lektüre der Marx-Schriften empfohlen.


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