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„Unendlicher Stolz“: Wie es ist, Nummer 1 der Welt zu sein

Seit dieser Woche ist klar: Alexander Zverev ist die neue Nummer eins im Tennis. Was macht das mit einem Sportler? Wie fühlt sich das an? Ein deutscher Tischtennis-Star kennt Zverev und dieses Gefühl.

Von Sebastian Stiekel, dpa

15.10.2026

Der frühere Weltranglisten-Erste Dimitrij Ovtcharov.Tom Weller/dpa

Der frühere Weltranglisten-Erste Dimitrij Ovtcharov.Tom Weller/dpa

© Tom Weller/dpa

Seinen eigenen Zverev-Moment wird Dimitrij Ovtcharov nie vergessen. Vor neun Jahren wurde der deutsche Tischtennis-Profi zur Nummer eins der Weltrangliste. Genau wie Alexander Zverev im erfahrenen Sportleralter von 29 Jahren. Genau wie der deutsche Tennis-Star zu einem Zeitpunkt der Karriere, als kaum jemand mehr damit rechnete.

„Ich freue mich sehr für Sascha“, sagt Ovtcharov. Die beiden kennen sich seit Jahren. Wie fühlt sich das also an, die Nummer eins der Welt zu sein?

„Für mich gab es in meinem Sport immer vier Gipfel“, erzählt Ovtcharov: „Olympia, Weltmeisterschaft, World Cup und Nummer eins der Welt.“ Zum ersten Mal den World Cup zu holen, „war schon ein Wow-Moment. Aber die Nummer eins zu sein, ist ein Zeichen, dass man sich wirklich über mehrere Monate durchgesetzt hat“. Das habe ihn „mit einem unendlichen Stolz erfüllt“.

Tennis-Fan Ovtcharov

Der Tischtennis-Profi Ovtcharov ist auch ein großer Tennis-Fan. Er sagt: „Ein Turnier, in dem alles zusammenläuft, ist überragend. Aber selbst wenn jemand Wimbledon gewinnt, kann man immer noch darüber streiten: War er jetzt der beste Spieler? Oder war ein anderer verletzt? Passte das Set-up besonders gut?“

Hinter dem ersten Platz in der Weltrangliste stünden dagegen „ganz viele Erfolge“, so Ovtcharov. Er selbst gewann 2017 den World Cup und die China Open. Von 48 internationalen Matches in jenem Jahr verlor er nur vier. „Dann bist du der beste Spieler der Welt“, sagt er. Und genauso klang auch Zverevs Reaktion. „Ein Traum wird wahr“, schrieb dieser nach seinem Sprung auf Platz eins.

Zwischen beiden Ausnahmesportlern gibt es einige Parallelen. Beide haben Väter, die in der ehemaligen Sowjetunion selbst erfolgreich Tischtennis und Tennis spielten. Beide können so viel gewinnen, wie sie wollen - und stehen immer im Schatten von Boris Becker und Timo Boll.

Die neue Nummer eins der Tennis-Welt: Der Deutsche Alexander Zverev.Adam Hunger/AP/dpa

Die neue Nummer eins der Tennis-Welt: Der Deutsche Alexander Zverev.Adam Hunger/AP/dpa

© Adam Hunger/AP/dpa

2022 trafen sich Ovtcharov und Zverev bei einem Sponsoren-Termin in der Schweiz. Kurz davor war der Tennis-Profi schon einmal auf dem Weg zur Nummer eins - bis er sich im Halbfinale der French Open alle Außenbänder im Sprunggelenk riss.

„Ich hatte kurz vor ihm eine Knöchelverletzung und wir wurden beide von demselben Arzt operiert“, erzählt Ovtcharov. „Ich habe ihn also in genau der Zeit getroffen, als er sehr geknickt war und weit zurückgeworfen wurde. Dass er vier Jahre später tatsächlich die Nummer eins ist, ist Wahnsinn. Deshalb habe ich mich jetzt noch einmal so gut an dieses Gespräch erinnert.“

Zeitenwende im Tischtennis

Tennis und Tischtennis erleben gerade historische zwei Wochen. Zverev ist der erste Weltranglisten-Erste aus Deutschland seit Boris Becker 1991. Im Tischtennis kommt die Nummer eins der Welt zum ersten Mal seit Timo Boll 2018 nicht mehr aus China. Dieser Einschnitt ist sogar noch tiefer. Denn kaum ein anderer Sport wird seit so langer Zeit von einer Nation dominiert.

Für Ovtcharov ist das ein „Umbruch“. Allein sechs Olympia- und WM-Finals hat er mit der deutschen Mannschaft gegen China verloren. Und in jeder Generation hatten die Chinesen drei oder vier Spieler gleichzeitig, „die praktisch unschlagbar waren“. Jetzt haben sie nur noch einen Ausnahmespieler. Und andere Nationen holen auf. „Das ist eine wahnsinnige Verschiebung“, findet Ovtcharov.

In Ljubljana laufen gerade die Europameisterschaften, der 39-Jährige selbst verpasst sie wegen einer Arm-Verletzung. Aber mit dabei sind die Brüder Alexis und Felix Lebrun aus Frankreich sowie Truls Möregardh aus Schweden. Sie alle haben für Ovtcharov „das Potenzial, die Nummer eins der Welt zu werden“. 

Dahinter sieht er „zehn weitere Spieler, die die EM gewinnen können“. Seine Teamkollegen Dang Qiu, Patrick Franziska und Benedikt Duda zählt er dazu. „Tischtennis ist so professionell geworden. Es steckt so viel Geld in verschiedenen Ländern“, sagt Ovtcharov. „Tischtennis ist jetzt wie Tennis!“

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