Sportmix

Auf der Suche nach dem Maximum: Zeidler geht neue Wege

Oliver Zeidler sucht die letzten Reserven: Der Olympiasieger hat sein Training umgestellt und träumt von einer Bestzeit. Bei der Ruder-EM in Varese profitiert er auch von der Nähe zu seiner Freundin.

Von Jana Glose, dpa

31.07.2026

Oliver Zeidler konnte in dieser Saison schon zwei Weltcups gewinnen, darunter auch in Luzern. (Archivbild) Philipp Schmidli/KEYSTONE/dpa

Oliver Zeidler konnte in dieser Saison schon zwei Weltcups gewinnen, darunter auch in Luzern. (Archivbild) Philipp Schmidli/KEYSTONE/dpa

© Philipp Schmidli/KEYSTONE/dpa

Ruderer Oliver Zeidler hat die Messlatte selbst hoch gelegt. Der Olympiasieger im Einer reist mit zwei Weltcup-Siegen zur Europameisterschaft nach Varese. In Sevilla und Luzern setzte sich der 30-Jährige souverän durch und zählt im Männer-Einer erneut zu den Favoriten auf den EM-Titel. Wenn er am Freitag auf dem Lago di Varese ins Rennen geht, ist er der Mann, den es zu schlagen gilt - auch wenn er seine Rolle selbst etwas anders bewertet.

„Bei der EM und WM bin ich nicht der amtierende Europa- oder Weltmeister. Deshalb haben andere in diesem Jahr etwas zu verlieren“, sagte Zeidler vor den Titelkämpfen in Italien der Deutschen Presse-Agentur. „Ich kann die Rollen zumindest mental ein Stück weit tauschen: Diesmal bin ich nicht der Gejagte und trage nicht die Zielscheibe auf dem Rücken. Stattdessen sind es die anderen, die mit dieser Favoritenrolle umgehen müssen.“

Der unter neutraler Flagge startende Europameister Yauheni Zalaty und der griechische Weltmeister Stefanos Ntouskos zählen zu seinen größten Konkurrenten. Für den von seinem Vater trainierten Zeidler ist die Ruder-EM ein „Gradmesser“. „Das Podium könnte ähnlich zur WM werden, wenn nicht sogar das Gleiche, weil im Einer die stärksten Ruderer schon aus Europa kommen“, sagte er mit Blick auf den Saisonhöhepunkt drei Wochen später in Amsterdam.

Neue Wege im Training

Bei der WM in Shanghai im Vorjahr gewann Zeidler Silber, nachdem er wegen seines Studiums das Training stark reduziert hatte. Seit seinem Abschluss Ende 2025 trainiert er nun wieder, voll geht dabei neue Wege. „Bis zu den Olympischen Spielen 2024 habe ich im Grunde immer nach demselben Plan trainiert. Dieses Jahr haben mein Vater und ich einiges umgestellt, wir haben die Umfänge erhöht und mehr Kilometer gemacht, dafür aber die Intensitäten reduziert“, erklärte er. 

Nach dem Abschluss seines Studiums hat Oliver Zeidler sein Training verändert. (Archivbild) Hannes P. Albert/dpa

Nach dem Abschluss seines Studiums hat Oliver Zeidler sein Training verändert. (Archivbild) Hannes P. Albert/dpa

© Hannes P. Albert/dpa

„Gerade jetzt mit 30 muss man schauen, wo noch ein bisschen was rauszuholen ist, wenn man auch gegen die jüngeren Athleten bestehen will“, betonte der Ruderer, der nach dem Abschluss seines Studiums in Lausanne in der Schweiz geblieben ist. Er lebt inzwischen in der Nähe von Luzern und trainiert dort auf den Strecken, auf denen im kommenden Jahr die Olympia-Qualifikation für Los Angeles 2028 ausgetragen wird. 

Auf der Suche nach dem Maximum

Mit Blick auf die Spiele 2028 verfolgt er ein klares Ziel. „Ich glaube, dass es mir in den vergangenen Jahren noch nicht gelungen ist, dieses Boot so schnell zu machen, wie ich es eigentlich könnte. Ich möchte in den nächsten zwei Jahren herausfinden, was noch geht“, betonte Zeidler. Besonders eins motiviert ihn: „Eine Weltbestzeit oder ein Weltrekord - und die Vorstellung, schneller zu sein als je jemand zuvor - sind schon ein großer Antrieb für mich.“

Vielleicht gelingt dem 30-Jährigen, der neben dem Sport für die Unternehmensberatung Deloitte arbeitet, bereits bei der EM der nächste Coup. „Ich mag Varese. Es wird wahrscheinlich sehr, sehr heiß. Aber das Wasser in Varese ist für gewöhnlich sehr schnell“, erklärte Zeidler, der auf dem malerisch am Fuße der Alpen gelegenen See in der norditalienischen Lombardei bereits 2021 seinen zweiten EM-Titel sowie 2024 einen Weltcup gewinnen konnte. 

Gemeinsam am Start mit Schweizer Freundin

Unter den 434 Athletinnen und Athleten aus 31 Nationen, die in 195 Booten an den Start gehen, ist am Wochenende auch Zeidlers Freundin Sofia Meakin – sie startet für die Schweiz im Frauen-Zweier. Früher sahen sich beide in ihrer Fernbeziehung oft nur bei Regatten, berichtete Zeidler. „Meist haben wir nach den Wettkämpfen noch zwei Tage dran gehängt und die Zeit genutzt, um an dem jeweiligen Ort gemeinsam ein bisschen Urlaub zu machen“, sagte er. 

Mittlerweile wohnen die 28 Jahre alte Schweizerin und Zeidler zusammen und sind auch im Training häufig gemeinsam auf dem Wasser unterwegs. In Italien rudern nun beide um EM-Edelmetall. „Es immer wertvoll, bei Wettkämpfen jemanden an seiner Seite zu haben, der einen versteht und unterstützt. Wir geben uns nach wie vor gegenseitig Rückhalt, und ich finde es schön, dass wir die Regatten gemeinsam erleben und dieselben Ziele verfolgen“, sagte Zeidler.

Karte
Das könnte Sie auch interessieren

Sportmix

zur Merkliste

Zweitligist Bochum gibt Bamba nach Portugal ab

Gut eine Woche vor dem Start in die neue Zweitliga-Saison verschlankt der VfL Bochum seinen Kader. Für den jungen Offensivspieler Bamba gibt es einen Abnehmer.

Sportmix

zur Merkliste

Der perfekte Takt: So funktioniert der Deutschland-Achter

Im Deutschland-Achter kommt es auf Präzision und Teamgeist an: Jede Position hat ihre eigene Aufgabe, vom Taktgeber bis zur Kraftzentrale. Warum Harmonie dabei wichtiger als Kraft ist.

Sportmix

zur Merkliste

Sportarten, Favoriten und TV: Das Wichtigste zur Schwimm-EM

Die EM ist für Lukas Märtens, Florian Wellbrock und deren Kollegen der Saisonhöhepunkt. Wie stehen die deutschen Chancen? Und dürfen eigentlich russische Sportler wieder unter ihrer Flagge starten?