Nadine Heselhaus geht für die SPD als Landratskandidatin ins Rennen
Nadine Heselhaus (41) möchte als erste Frau und erste Sozialdemokratin Landrätin des Kreises Borken werden.. Sie findet, dass der Kreis Borken bislang hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.
Nadine Heselhaus
© Josef Barnekamp
KREIS BORKEN. Andere fahren in die Ferien, Nadine Heselhaus verbringt derzeit ihren Urlaub im Kreis Borken. Nicht, um sich zu erholen. Im Gegenteil. „Ich habe mir Urlaub genommen, um Wahlkampf zu machen“, sagt die Raesfelderin. Mindestens einen Termin am Tag absolviert die 41-jährige SPD-Politikerin derzeit, hilft nebenbei, Plakate aufzuhängen, die sozialen Medien zu bedienen und mit Menschen zu sprechen. „Wahlkampf ist toll“, sagt die Landratskandidatin der Sozialdemokraten. Ihr gefalle, dass man mit den Bürgern ins Gespräch komme. Für viele sei Kreispolitik gefühlt weit weg. Denen wolle sie nahebringen, dass „doch vieles vom Kreis abhängt.“
Es sei „zu wenig Bewegung im Kreis Borken“ findet die vierfache Mutter, die als einen Grund dafür die jahrzehntelange, zum Teil absolute, Mehrheit der CDU auf Kreisebene nennt. Ihr Ziel sei denn auch zum einen, den CDU-Landratskandidaten in die Stichwahl zu zwingen und dabei ihre Mitbewerberin von den Grünen hinter sich zu lassen. Zum anderen will sie die absolute CDU-Mehrheit im Kreistag brechen. „Derzeit werden nicht alle Möglichkeiten genutzt, die wir haben“, sagt die Kandidatin, die seit 2018 im SPD-Ortsverein Raesfeld aktiv ist und früher mal den gut 160 Mitglieder starken SPD-Ortsverein Grevenbroich-Nord geführt hat.
Kandidatin war schon Ortsvereins-Vorsitzende
Nadine Heselhaus sagt, sie möchte mehr über den Tellerrand schauen, um die Möglichkeiten der Region besser auszuschöpfen. Was andere gut machen, was nicht gut läuft, das sehe sie etwa in ihrem Beruf als Finanzprüferin bei der Gemeindeprüfungsanstalt (gpa) NRW, einer Einrichtung, die die Kommunen im Land auf Wirtschaftlichkeit, Steuerungsfähigkeit und Rechtmäßigkeit hin untersucht. Dort geht es auch oft um Ziele und Kennzahlen, die die SPD-Kandidatin im Handeln des Kreises mehr verankert sehen möchte. „Was soll bis wann umgesetzt werden? Solche Dinge müssten verbindlicher geregelt werden“, fordert sie.
Auch ganz konkrete Forderungen hat Nadine Heselhaus bei ihrem Wahlkampf im Gepäck: Beim Thema Klimaschutz etwa würde sie gerne mehr für den heimischen Wald und den Schutz der zum Teil schon knappen Trinkwasserreserven tun und mehr in Richtung Solarenergie gehen. Bei der Windenergie gehe „noch ein bisschen was, etwa bei Bürgerwindparks. Aber es gibt schon Akzeptanzprobleme.“ Sie könne sich vorstellen, Straßen mit Solarpanels zu überdachen. Pläne für so etwas gibt es schon in der Schweiz und in den Niederlanden. Bei allen Projekten müsse man aber stets im Auge behalten: „Strom muss bezahlbar bleiben.“
Beim Thema ÖPNV setzt Nadine Heselhaus auf das 365-Euro-Ticket, die Realisierung der Busstrecke Bocholt-Bad Bentheim („Baumwollexpress“), engere Fahrtakte, Radschnellwege und ein besseres Wegenetz zwischen den kulturellen Angeboten im Kreis Borken. „Wir wünschen uns den kostenfreien öffentlichen Personennahverkehr“, sagt die Raesfelderin.
ÖPNV soll möglichst umsonst sein
Bei den sozialen Themen setzt sich die SPD-Landratskandidatin dafür ein, dass es eine kreisweite Wohnungspolitik geben müsse und mehr für den sozialen Wohnungsbau getan werde. Eine gute Nahversorgung im ländlichen Raum sei wichtig, wozu auch eine gute medizinische Versorgung vor Ort zähle. Beim Blick aufs Thema Schule fordert die SPD-Bewerberin, dass es bei der Digitalisierung an einem „ganzheitlichen Konzept für alle Schulen im Kreis“ fehle. Auch wenn der Kreis selbst nur teilweise zuständig sei, so könne er doch zwischen den Schulträgern vermitteln. Auch würde sie als Landrätin Schüler und junge Menschen generell mehr in politische Prozesse einbeziehen. „Die möchten gerne. Warum lassen wir sie nicht?“
Woher das Geld nehmen für all die Ziele? „Das werden wir nicht mit dem Verkauf der RWE-Aktien bezahlen können“, hält Heselhaus wenig davon, dass der Kreis Borken sein Aktienpaket am Energieriesen versilbert. Gleichwohl sieht sie hier und da Einsparpotenzial. „Ich würde durchaus die Beteiligung an der Marke Münsterland infrage stellen“, sagt die Kandidatin, die auf Platz eins der Reserveliste ihrer Partei steht und somit sicher im kommenden Kreistag vertreten ist.
Zur Person
Nadine Heselhaus ist 41 Jahre alt und wohnt in Raesfeld. Sie ist alleinerziehend und hat vier Kinder im Alter von 1,3,12 und 13 Jahren. Sie arbeitet als Finanzprüferin bei der Gemeindeprüfunganstalt und war zuvor als Fallmanagerin im Jobcenter und in der Kämmerei/Steueramt der Gemeinde Rommerskirchen tätig. Sie ist studierte Diplom-Verwaltungswirtin.
Bei der SPD ist sie seit 2007. „Die Sozialdemokratie spiegelt mein Weltbild am besten wider“, sagt sie. Heselhaus war 2013 bis 2015 Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Grevenbroich-Nord und zwei Jahre lang dort Ratsfrau. Sie ist sachkundige Bürgerin im Gemeinderat in Raesfeld. Wenn Kinder und Politik ihr noch Zeit lassen, geht Nadine Heselhaus gerne joggen. „Das geht spontan, fast überall und hilft beim Stressabbau“, sagt sie.

© Josef Barnekamp

Die Kandidatin beim Aufhängen von Wahlplakaten.
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