Einsatzkräfte üben grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Nach einer erfolgreichen Katastrophenschutzübung in Enschede mit deutschen und niederländischen Teilnehmern sind jetzt Arbeitsvereinbarungen für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit unterschrieben worden. Rund 50 Einsatzkräfte hatten zuvor einen „Massenanfall von Verletzen“ in Enschede simuliert.
Für rund 50 Einsatzkräfte aus Deutschland und den Niederlanden galt es, ein fiktives Katastrophenszenario gemeinsam zu bewältigen und daraus neue Erkenntnisse für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu gewinnen.
© Robin Hilberink
KREIS BORKEN/ENSCHEDE. Rund 50 niederländische und deutsche Einsatzkräfte von Rettungsdiensten, Leitstellen und Krankenhäusern haben an einer grenzüberschreitendenen Katastrophenschutzübung in den Räumen des Medisch Spectrum Twente (MST) in Enschede teilgenommen. Das Szenario: Im Stadtpark von Enschede findet eine Großveranstaltung mit rund 1500 Besuchern statt. Während einer Vorführung mit Feuereffekten kommt es zu einem Zwischenfall, als eine technische Anlage explodiert, woraufhin mehrere Stände und Requisiten in Flammen aufgehen. Es gibt viele Verletzte – voraussichtlich 150 bis 200 – auf deutscher Seite als „Massenanfall von Verletzen“ (MANV) einzuordnen.
Deutsche und niederländische Mediziner müssen klare Vereinbarungen haben wie die Kommunikation zu den einzelnen Patienten verlaufen soll.
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Im Mittelpunkt der Übung stand die Vorbereitung auf Krisen und Katastrophen, bei denen eine schnelle und effektive Zusammenarbeit zwischen Rettungsdiensten, Leitstellenmitarbeitern und Krankenhäusern in beiden Ländern von großer Bedeutung ist, heißt es in einer Mitteilung des Kreises Borken. Ziel war es, bei der Triage (die schnelle Ersteinschätzung und Kategorisierung von Patienten nach Behandlungsdringlichkeit), der Versorgung, der Kommunikation und der Verteilung der Patienten auf verschiedene Krankenhäuser in der Region gut zusammenzuarbeiten.
Neue Erkenntnisse für die Zusammenarbeit
„Wir konnten erfolgreich das Ereignis bewältigen, die Schnittstellen haben gut funktioniert. Jede Übung bringt uns neue Erkenntnisse, die wir dann als Grundlage zur weiteren Verbesserung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit nutzen können“, resümierte Florian Laubrock, Mitarbeiter in der Gefahrenabwehr des Kreises Borken, der die Übung seitens der Kreisverwaltung mit organisiert und durchgeführt hat.
Nach der Übung galt es den Blick nach vorn zu richten, um für die Zukunft weiterhin gut aufgestellt zu sein: Vertreter von Rettungsdiensten, des Kreises Borken, des Landkreises Grafschaft Bentheim und die Leiter der Gesundheitsämter von Twente sowie Nord- und Ost-Gelderland unterzeichneten deshalb „Arbeitsvereinbarungen zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit – medizinische Versorgung bei Großereignissen, Katastrophen und/oder Krisensituationen“.
Vereinbarung unterzeichnet
Die deutschen und niederländischen Hilfsorganisationen haben – für den Fall, dass sie sich bei einer großen Katastrophe oder Krise gegenseitig Hilfe leisten – Folgendes vereinbart:
- wie sie dokumentieren, welche Patienten gegebenenfalls in ein Krankenhaus im Nachbarland transportiert werden
- wie die Leitstellen im jeweiligen Nachbarland Kontakt mit der Leitstelle im Katastrophengebiet aufnehmen
- welche Führungskräfte sie zum Ort des Vorfalls entsenden
- dass Rettungswagen aus dem unterstützenden Land unmittelbar zum Ort des Vorfalls fahren
- dass Funkgeräte für die unterstützenden Einsatzkräfte aus dem Nachbarland zur Verfügung gestellt werden.
Konzentrierte Arbeit: Schnelle Entscheidungen in Krisensituationen verlangen gute Grundlagen.
© Robin Hilberink
Diese detaillierten Arbeitsvereinbarungen sind das Ergebnis der Auswertungen der deutsch-niederländischen Katastrophenübungen in der Region, die seit 2022 standardmäßig zweimal jährlich stattfinden. Für die Simulation wird das sogenannte Emergo Train System (ETS) genutzt: Ein international eingesetztes Übungssystem, mit dem in einer Büroumgebung an Whiteboards ein Großereignis simuliert werden kann. In den Jahren 2018 und 2024 haben darüber hinaus groß angelegte „Real-Life“-Übungen unter Einsatz von Material und Patientendarstellern stattgefunden.
„Es ist großartig, dass wir gemeinsam diesen nächsten Schritt gehen.“
Dr. Elisabeth Schwenzow
„Es ist großartig, dass wir gemeinsam diesen nächsten Schritt gehen – hoffentlich einer von vielen auf dem Weg zu einer immer intensiveren Zusammenarbeit im Interesse der Bürgerinnen und Bürger auf beiden Seiten der Grenze“, sagte Dr. Elisabeth Schwenzow, Ordnungsdezernentin des Kreises Borken und eine der Unterzeichnerinnen der Vereinbarungen. Weitere Unterzeichner waren Karin Leferink (Leiterin des Gesundheitsamtes Twente), Robert Fidder (stellvertretender Leiter des Gesundheitsamtes Nord- und Ost-Gelderland), Dr. Elke Bertke (Dezernentin des Landkreises Grafschaft Bentheim), Piet Huizinga (Geschäftsführer des niederländischen Rettungsdienstes Ambulance Oost) und René Smit (Geschäftsführer des niederländischen Rettungsdienstes Witte Kruis).
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Die deutschen Kreise Borken und Grafschaft Bentheim sowie die niederländischen Regionen Twente und Nord- und Ost-Gelderland arbeiten seit mehr als 20 Jahren eng im Bereich der medizinischen Versorgung bei Katastrophen und Krisen zusammen. Diese sei im Vergleich zu anderen deutsch-niederländischen Grenzregionen einzigartig, sagen die Beteiligten.