Borken

Nachfinanzierungen bei öffentlichen Bauprojekten: Politik im Dauerdilemma

Leserbrief zum BZ-Artikel „Rathaussanierung in Borken schon bei 22,9 Millionen Euro“ vom 11. Oktober.

Von Ulrich Kranenburg

16.10.2024

Der Gebäudeteil C ist das rot verkleidete Gebäude zwischen altem Landratsamt und neuem Stadtarchiv. Dessen Sanierung soll mehr als doppelt so teuer werden wie vor drei Jahren kalkuliert.

Der Gebäudeteil C ist das rot verkleidete Gebäude zwischen altem Landratsamt und neuem Stadtarchiv. Dessen Sanierung soll mehr als doppelt so teuer werden wie vor drei Jahren kalkuliert.

© Sven Kauffelt

Es ist absurd, wie sich das Theater der unrealistischen Kostenschätzungen bei öffentlichen Bauprojekten Jahr für Jahr in Borken wiederholt. Egal, wie oft die Choreografie der „unvorhergesehenen“ Kosten aufgeführt wird – es bleibt immer dasselbe Drama. Was bei der Sanierung eigener Räumlichkeiten im Rathaus zunächst als solide Planung erscheint, entpuppt sich auch hier schnell als finanzielles Desaster. Wenn Nachfinanzierungen zur jährlichen Routine werden, drängt sich der Eindruck auf, dass entweder die notwendigen Planungsprozesse nicht eingehalten oder bewusst ungenaue Zahlen vorgelegt werden, um Projekte auf Schleichwegen durchzudrücken. Einmal genehmigt, wird ein Baustopp für die Kommunalpolitik dann zur Mission Impossible und so bleibt nur der kritik- und diskussionslose Parforceritt durch die öffentliche Ratssitzung – in weniger als eine Minute. Zwischenfazit: insgesamt neun Millionen mehr.

Doch es geht auch anders. Der Besuch einer Borkener Grundschule zeigt, dass nicht jedes Projekt abgehoben sein muss. Die langen, beheizten Flure mit dem schlichten Charme des Altbaus vermitteln einen nostalgischen Pragmatismus, und der bröckelnde Fensterkitt der Einfachverglasungen versucht dem Besucher zu vermitteln: an dieser Grundschule keinen Cent mehr für energetische Standards.

Und während anderswo die Zukunft in die Cloud wandert, meißeln wir unsere Verwaltung weiter in Stein. Jede Million, die in die Sanierung massiver Verwaltungsgebäude fließt, ist eine Investition in die Vergangenheit. Statt schlanke, digitale Prozesse zu fördern, wie sie in Estland längst Realität sind, halten wir uns an überholte, starre Systeme fest, die uns den Weg in eine moderne, effiziente Verwaltung blockieren.

Hier geht es zum Text: Rathaussanierung in Borken schon bei 22,9 Millionen Euro

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