Borken

Leserbrief: Kein Leuchtturm um jeden Preis

Leserbrief zur BZ-Berichterstattung zum Abwasserwärme-Pilotprojekt.

Von Ludger Feldhaus aus Weseke

22.05.2026

Leserbrief: Kein Leuchtturm um jeden Preis

© Peter Berger

Auf den ersten Blick scheint es eine gute Idee zu sein, dem Abwasser der Kläranlage Wärme zu entziehen und damit öffentliche Liegenschaften zu beheizen. Ein Wärmetauscher in der Kläranlage soll in ein kaltes Nahwärmenetz einspeisen, um so in den jeweiligen Gebäuden Großwärmepumpen mit auf 8,4 Grad vorgewärmten Wasser zu versorgen. Mit dem geplanten Modellprojekt sollen pro Jahr circa vier Millionen kWh Wärme zu einem geschätzten Preis von zehn Cent pro kWh erzeugt werden.

Auf den zweiten Blick müssen die Kosten für den Steuerzahler und dem damit erreichbaren Ziel zum Erreichen der Klimaneutralität beachtet werden. Die gesamten Investitionskosten betragen laut Schätzung 10,5 Millionen Euro, wovon allein für das kalte Nahwärmenetz einschließlich der Maßnahmen an der Kläranlage vier bis fünf Millionen Euro veranschlagt werden. Die restliche Summe ist für die Wasser-Wasser-Großwärmepumpen und die Installationen in den jeweiligen Liegenschaften vorgesehen.

Würde man stattdessen auf Luft-Wasser-Großwärmepumpen setzen, wäre das kalte Nahwärmenetz komplett überflüssig und mindestens 40 Prozent der Kosten würden eingespart. Die etwas schlechtere Energieeffizienz der Luft-Wasser-Wärmepumpe würde zum Großteil durch den Entfall der Stromkosten für die Umwälzpumpen kompensiert, sodass am Ende die Kosten für die kWh Wärme bei beiden Systemen ähnlich sind.

Es stellt sich die Frage warum circa 40 Prozent mehr Geld als nötig investiert werden soll, um am Ende kein wesentlich besseres Ergebnis zur erreichen. Die Antwort ist ganz einfach, das Modellprojekt wird mit rund 60 Prozent bezuschusst, und man kann sich damit rühmen ein vermeintlich großartiges Leuchtturmprojekt umgesetzt zu haben.

Aus Sicht der Stadt mag das nachvollziehbar sein, bei der angespannten Finanzsituation im Land und im Bund sind solche Projekte nicht zu akzeptieren. Die Absicht muss doch sein, nach der besten und günstigsten Lösung zu suchen, und nicht wie man die meisten Zuschüsse abgreifen kann. Dem Ziel zum Erreichen der Klimaneutralität in Deutschland und dem Steuerzahler schadet man durch dieses eigennützige und verschwenderische Handeln.

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