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Münsterland

Nahverkehr: Klagen über volle Abteile

„Nahverkehrszüge sind keine Hotspots“

Dienstag, 14. Juli 2020 - 09:42 Uhr

von Jürgen Beckgerd

Wenn im Zug Abteile voll werden und selbst Stehplätze knapp sind, ist die Einhaltung von Abstandsregeln nicht immer so einfach. Uli Beele, Pressesprecher des Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), sieht jedoch im ÖPNV keine Corona-Hotspots und verteidigt die Situation im Regionalverkehr.

Foto: pd

Abstandsgebot? Im Zug von Greven nach Münster ist das nicht immer eine einfache Angelegenheit.

MÜNSTERLAND. Die Reise von Bonn zurück nach Münster mit der DB Regio war preiswert. Während der Sommerferien gelten an den Wochenenden die Abos des Westfalen-Tarifs im gesamten NRW-Nahverkehr. Insgesamt dürfen mit einem Abo zwei Erwachsene und drei Kinder fahren. Umsonst. „An allen Wochenenden bis zum 9. August geht es mit Bus und Bahn zu den schönsten Zielen in NRW“, heißt es in der Aktions-Werbung.

Ob das dann das reine Vergnügen ist in Zeiten auferlegter Kontaktreduzierung, Abstandsgebote und Maskenpflicht? Erfahrungen Reisender sind da höchst unterschiedlich. Von der Rückreise vom Rhein zur Aa brach sich zumindest in Einzelfällen Unmut Bahn in der Bahn. Es war voll, sehr voll sogar, in den Abteilen. „Von Abstandsgeboten konnte überhaupt keine Rede sein“, bemerkte ein Fahrgast und verhehlte sein Unwohlsein in Coronazeiten nicht.

Die Reise von Bonn zurück nach Münster mit der DB Regio war preiswert. Während der Sommerferien gelten an den Wochenenden die Abos des Westfalen-Tarifs im gesamten NRW-Nahverkehr. Insgesamt dürfen mit einem Abo zwei Erwachsene und drei Kinder fahren. Umsonst. „An allen Wochenenden bis zum 9. August geht es mit Bus und Bahn zu den schönsten Zielen in NRW“, heißt es in der Aktions-Werbung.

Ob das dann das reine Vergnügen ist in Zeiten auferlegter Kontaktreduzierung, Abstandsgebote und Maskenpflicht? Erfahrungen Reisender sind da höchst unterschiedlich. Von der Rückreise vom Rhein zur Aa brach sich zumindest in Einzelfällen Unmut Bahn in der Bahn. Es war voll, sehr voll sogar, in den Abteilen. „Von Abstandsgeboten konnte überhaupt keine Rede sein“, bemerkte ein Fahrgast und verhehlte sein Unwohlsein in Coronazeiten nicht.

Ausgenommen von Abstandspflicht

Im Zug der Eurobahn von Greven nach Münster am vergangenen Samstag „wurde es so voll, dass es unangenehm wurde mit Stehplatz, selbst ohne Corona-Pandemie. Die Eurobahn fuhr offenbar den ganzen heutigen Samstag mit Kurzzügen“, lautete eine andere Schilderung. Die Frage, warum „das Reisen in vollen Abteils gestattet ist, wenn das nur unter gesundheitsgefährdenden Umständen möglich ist“ – so der Bahnreisende –, steht im Raum.

Eine Antwort zu geben versuchte Uli Beele , Pressesprecher des Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), der zunächst einmal darauf hinwies, dass der Regionalverkehr „ausgenommen ist von der Einhaltung der Abstandspflicht“. Ebenso sei das geschilderte Problem seiner Meinung nach „kein flächendeckendes“.

Zugleich verwies Beele auf die während der Pandemie erheblich reduzierte Nachfrage im ÖPNV. „Wir liegen in der Zeit von Corona bei einer Auslastung von etwa 50 bis 60 Prozent.“ – Was möglicherweise die Intention der Verkehrs-Unternehmen, nur Kurzzüge auf bestimmten Strecken einzusetzen, beschreibt, aber deren Sinnhaftigkeit nicht zwingend darstellt. „Und ja“, machte Beele aus, „es gibt natürlich auch Unterschiede zwischen Ballungsräumen und der Fläche.“

ÖVPN keine Corona-Hotspots

Was zu tun ist und bereits getan wird? „Wir beobachten natürlich das Mobilitätsverhalten der Menschen in der Krisenzeit sehr genau“, sagte Beele und nannte die vielfach zitierte „Mobilitätswende in verstärkt genutzten Home-Office-Zeiten“ als Beispiel. Gebe es Probleme mit der technischen Ausrüstung der Verkehrsbetriebe, werde „kontrolliert und sanktioniert“.

Ganz konkret nannte Beele diese Maßnahmen: „Wir beobachten die Situation genau und stellen die Kapazitäten in Relation zur Nachfrage.“ Zudem stehe der NWL in ständigem Kontakt mit den Unternehmen. Beele nahm dabei Bezug auf den entsprechenden Arbeitskreis auf Landesebene. Zudem: Die Hygiene-Verordnungen würden erfüllt, „die Reinigungsintervalle in den Zügen verkürzt“. Und überhaupt: Es sei nicht bekannt, dass sich aus dem Öffentlichen Personen-Nahverkehr Hotspots entwickelten.

Und, so appellierte Beele an die Vernunft der Fahrgäste, selbstinitiativ zu entscheiden, ob man nicht „einen Zug später fährt“, wenn es zu voll zu werden drohe. Der Mann aus dem Zug von Bonn nach Münster kommentierte das so: „Kapitulation vor der Macht des Faktischen“.