Leserbriefe

Steuerberater weisen Weg durch Förder-Dschungel

„Novemberhilfen“

Dienstag, 10. November 2020 - 10:00 Uhr

von Von Frank Heßling (Steuerberater) aus Borken

Leserbrief zum BZ-Artikel „Sattes Paket für die Gastronomie“ vom 7. November:

Foto: Kauffelt

Dogan Canpolat verkauft sein Essen im Café Villa aktuell nur zum Mitnehmen. (Text zum Artikel)

Dem Artikel zufolge darf „sich noch eine Berufsgruppe über die Novemberhilfen freuen“, nämlich Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Denn nur sie dürfen die Förderanträge stellen. Es klingt, als nutze der Berufsstand die Krise, um Profit aus der Not anderer zu schlagen.

Das Gegenteil ist der Fall: Seit Mitte März helfen die Steuerberater und Wirtschaftsprüfer mit immensem Arbeitseinsatz, die Wirtschaft am Laufen zu halten: Zunächst gibt es Corona-Soforthilfen, die quasi über Nacht beantragt werden wollen. Deren „Spielregeln“ ändern sich fast täglich und stehen bis heute nicht endgültig fest. Frustrierende Folge: Häufig muss der Steuerberater den Mandanten die bittere Wahrheit mitteilen, dass die bereits erhaltene „Hilfe“ zurückzuzahlen ist.

So viele Beschäftigte wie nie zuvor arbeiten in Kurzarbeit. Für Mittelständler sind es Steuerberater, die das aufwendige Verfahren durchführen. Ausfallzeiten jedes einzelnen Mitarbeiters der Mandanten müssen ermittelt werden. Umfangreiche Dokumentationen, viele Anträge, komplizierte Abrechnungen sind nötig. Und ganz nebenbei werden noch die Mehrwertsteuersätze gesenkt…

Im August wird das Überbrückungsgeld Phase 1 eingeführt, mit Phase 2 wieder geändert. Für Phase 3 sind nochmals Neuregelungen zu erwarten. Steuerberater sind erste Anlaufstelle, wenn es darum geht, Unternehmer und deren Arbeitnehmer (nicht nur) in der Pandemie vor dem Aus zu bewahren. Es hat seine Gründe, dass der Berufsstand seit April als systemrelevant gilt.

Mandate, die besonders hart getroffen sind, verursachen folglich ein Vielfaches an Arbeit verglichen mit der Zeit vor Corona. Dieser Mehraufwand lässt bei keinem Steuerberater „Freude“ aufkommen: Permanente Rechtsänderungen verfolgen und verstehen, Mitarbeiter fortbilden, ständige Softwareupdates kosten Zeit, Geld und Nerven. Der Teil, der tatsächlich abrechenbar wäre, wird selten in voller Höhe gefordert, wenn der Mandant wirtschaftlich am Abgrund steht.

Jetzt also die „außerordentliche Wirtschaftshilfe“ von 75 Prozent des Vorjahresumsatzes. Neue Anträge, Berechnungen, Haftungsrisiken. Wesentlicher Unterschied zu früheren Fördermaßnahmen: Für die Betriebe könnte sie eine echte Hilfe darstellen. Und das ist den Mandanten, die man jahrelang durch dick und dünn begleitet, von Herzen zu wünschen. Insofern doch: Da freut sich der Steuerberater!

Hier geht es zum Artikel.