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Leserbriefe

„Probleme haben sich bereits in den Siebzigern angedeutet“

Fachkräftemangel

Donnerstag, 1. August 2019 - 09:30 Uhr

von Joachim Wewerinke-Reinermann (aus Borken)

Leserbrief zum Bericht „Unternehmer buhlen um Fachkräfte“.

Foto: Alfred Hofer

Insbesondere im Handwerk fehlen Fachkräfte.

Das Wort Fachkräfte sollte das Unwort des Jahres werden. Die Industrie beklagt sich permanent, kein Fachpersonal mehr zu bekommen. Die Verantwortlichen von damals haben selbst ja kaum dazu beigetragen, dass es ihnen heute nicht an Nachwuchs fehlt. Das ist europaweit so. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Als heutiger Rentner prophezeie ich ihnen, dass sie auch auf absehbare Zeit die Fachkräfte nicht bekommen werden. Man hat sich Jahrzehnte ausschließlich darauf beschränkt, das gut ausgebildete Personal aus den kleineren Handwerksbetrieben mit Geld rauszukaufen, ohne selbst ausreichend auszubilden. Heute versucht man, den Mitbewerbern ihr gutes Personal abzujagen, wenn überhaupt vorhanden.

Ich selbst komme aus der Metzger-Branche, (mit einem sehr guten Namen im Kreis Borken), in der sich dieses Problem bereits in den Siebzigern andeutete. Dies ist das vorrangige Problem, warum es heute kaum noch einen guten Fleischer-Fachbetrieb gibt. Der Ausbildungsberuf Metzger ist tot.

Ich habe in meiner Verantwortung für unser Geschäft mehrere gut ausgebildete Leute an eine große Firma in Coesfeld verloren, weil sie mir über die Gehaltsschiene abgeworben worden sind, um sie weiterhin als Kopfschlächter zu beschäftigen. Einer Tätigkeit, für die wir uns nicht rühmen, aber gemacht werden musste. Das waren Perlen vor die Säue geworfen.

Heute haben sich Betriebe wie diese so automatisiert, dass sie damit überwiegend ungelernte und Menschen aus Zeitarbeitsfirmen beschäftigen, mit viel Öffentlichkeit. Und so haben es fast alle großen Branchen gehandhabt.

Ist die ältere Generation ausgestorben, gibt es kaum noch jemanden, der dem Kunden aus Überzeugung Wurst oder ein Stück Fleisch verkaufen kann, weil er häufig gar nichts darüber weiß. Eine gute Ausbildung und ein erworbenes Fachwissen waren von je her die Prämisse eines guten Fleischer-Fachbetriebes.

Mein Vater sprach schon 1973 von dieser Entwicklung, und da sind wir jetzt.

Er war übrigens fast 40 Jahre Obermeister von Borken und ein exzellenter Fachmann.


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