LeserbriefeFREI

Politik hat Schüler aus der Stadt getrieben

Sekundarschule

Mittwoch, 31. März 2021 - 09:30 Uhr

von Günter Rölfing (Velen)

Leserbrief zum BZ-Artikel „Anmeldungen an weiterführenden Schulen“.

Foto: Lars Johann-Krone

Nach 85 Schulanmeldungen im ersten Jahr der Sekundarschule sind es fürs nächste Schuljahr nur noch 33.

Velens einzige weiterführende Schule hat als Sekundarschule nicht den gewünschten Zuspruch. Die rückläufigen Anmeldezahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Das Weiterhangeln mit Ausnahmeregelungen von Jahr zu Jahr entspricht schon lange nicht mehr dem Anspruch, alle Bildungsabschlüsse der Sekundarstufe I nach dem Gebot der Dreizügigkeit anbieten zu können. Eine seit Jahren absehbare Entwicklung, die von der Bürgermeisterin und allen Rathausfraktionen nicht ernsthaft zur Kenntnis genommen beziehungsweise wortreich verdrängt wurde. Das ist umso erstaunlicher, da alle Verantwortlichen behaupten, dass alles getan würde, um eine weiterführende Schule in der Stadt zu behalten. Aber wenn man zusieht, wie die potenziellen Schüler davonlaufen und man sich über die ursächlichen Gründe für die Abwahl der Sekundarschule kaum Gedanken macht, dann sind diese Bekundungen fad, hohl und unglaubwürdig.

Als Fazit bleibt: Die hiesige Schulpolitik hat viel zu viele Schüler aus der Stadt getrieben. Die Gefahr, dass die Stadt Velen ohne eine weiterführende Schule auskommen muss, ist bei 33 Anmeldungen für die Sekundarschule nicht von der Hand zu weisen. Das gilt umso mehr, da im kommenden Schuljahr nur jeder fünfte Ramsdorfer Grundschulabgänger die städtische Sekundarschule besucht. Von der Velener Grundschule kommt noch jeder dritte Schüler. Weseke, Südlohn und Heiden fallen als Zubringer fast vollständig aus. Mein Vorschlag, die Sekundarschule in einen Teilstandort einer Gesamtschule (Borken oder Gescher) in nur einem Schulgebäude (Velen oder Ramsdorf) umzuwandeln, wurde von einem „Bündnis“ aus Lokalpolitik und Bürgermeisterin mit dem Argument zurückgewiesen, dass ein „eigenständiges, vielfältiges schulisches Angebot die Maxime für jeden verantwortungsbewusst handelnden Lokalpolitiker“ sei. Ich hoffe, dass die Lokalpolitiker die Wirklichkeit zur Kenntnis nehmen und ihren Traum von der Eigenständigkeit als oberste Maxime aufgeben. Heute scheint es mir angebracht, meinen früheren Vorschlag dahingehend zu präzisieren, dass ich nur noch Ramsdorf als Teilstandort einer Gesamtschule empfehlen kann. Das ist eine bittere Pille für den Stadtteil Velen. Wenn aber als Ziel der Erhalt einer weiterführenden Schule angestrebt werden soll, bleibt keine andere Wahl.