Leserbriefe

Landwirtschaft muss mehr um Ausgleich und Naturschutz bemüht sein

Bauernprotest

Dienstag, 17. November 2020 - 11:30 Uhr

von Wilhelm Kappelhoff (Schöppingen)

Leserbrief zum Bericht „Für viele Bauern ist Schluss mit lustig“.

Foto: Barnekamp

Mit ihren Schleppern machten die Landwirte gestern in Velen deutlich, dass für sie „Schluss mit lustig“ ist, was die aus ihrer Sicht viel zu niedrigen Preise für Milch und Fleisch angeht.

Ja, wenn endlich „Schluss mit lustig“ in der Landwirtschaft wäre, und die Bauern aufhören würden, „den Ast anzusägen, auf dem sie sitzen“, dann wäre eine dringend notwendige echte Agrarwende in Sicht.

So aber, mit Schuldzuweisungen an Molkereien, Schlachthöfe und Endverbraucher, wird sich ihre Situation weiter verschlechtern. Denn das Grundübel für das landwirtschaftliche Desaster ist die gnadenlose Überproduktion von landwirtschaftlichen Erzeugnissen in allen bäuerlichen Bereichen.

Diese Überproduktion ist weder von Verbrauchern noch von Molkereien und Schlachthöfen beeinflusst. Vielmehr sind die Berater der bäuerlichen Betriebe, hier vor allem die Landwirtschaftskammern, in den Fokus zu nehmen. Ihre Ratschläge der letzten Jahrzehnte für einen produktiven, nachhaltige Verbraucher-, Umwelt-, Pflanzen- und Tierschutz in der Landwirtschaft scheinen nicht sehr überzeugend gewesen zu sein; sonst kann man sich die desaströse Situation so vieler Landwirte, die in den vergangenen Jahren ihre Betriebe umgerüstet und umgestellt haben, nicht erklären.

Wenn der Ast nicht brechen soll, auf dem die Landwirte sitzen, ist eine Kehrtwende um 180 Grad erforderlich, die nicht nach dem Wachstumsprinzip funktioniert, sondern von Ausgleich, Nachhaltigkeit und striktem Natur- und Umweltschutz geprägt ist. Dafür muss unsere gesamte Gesellschaft gewonnen werden und fordert viele persönliche Opfer und Entbehrungen. Wer weiß das besser als Landwirte. Proteste alleine helfen nicht.