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Leserbriefe

Kein Geld investieren – wenn die Bahn selbst kein Interesse hat

Stellwerk

Samstag, 11. Juli 2020 - 11:15 Uhr

von Von Gerhard Boßhammer aus Gemen

Leserbrief zur Berichterstattung „Altes Stellwerk“:

Foto: Schönherr

Als häufiger Bahnfahrer und Modellbahner interessieren mich sicher die Geschichte der Eisenbahn in Borken und die aktuelle Situation des „sogenannten“ heutigen Bahnhofs Borken, der die meisten Strecken eingebüßt hat (leider wird es ja auch mit großer Wahrscheinlichkeit keine Reaktivierung der Strecke nach Bocholt geben). So interessant wie der Gedanke eines Museums im alten Stellwerk denn auch war, so wären die Besucherzahlen zunächst sicher da gewesen, aber nach ein bis zwei Jahren wäre die Frequentierung doch ziemlich gering und die Kosten zum Erhalt wären von einem Verein sicher nicht zu tragen. Seltsam mutet auch die Argumentation der DB – wie schon häufiger in der Vergangenheit – an. Jetzt wird argumentiert, dass zur Sanierung der Fassade der Zugverkehr unterbrochen werden müsse. Direkt vor dem Stellwerk befindet sich ein Abstellgleis, auf dem abends Züge der NWB abgestellt werden und morgens sehr früh wieder in Betrieb gehen. Das eigentlich während des Tages betriebene Gleis liegt nicht direkt am Stellwerk. Warum also den Zugverkehr während der Fassadensanierung stilllegen? Seinerzeit hat die Bahn argumentiert, als die neue Straße (Banane) mit der Verschwenkung gebaut wurde, dass am Ende des Stumpfgleises ein Sicherheitsabstand sein müsse, der eine Verschwenkung der Straße nötig mache. In großen Kopfbahnhöfen (zum Beispiel Leipzig, Frankfurt, Wiesbaden) gibt es diesen Sicherheitsabstand zum Querbahnsteig nicht, hier reichen Prellböcke. Eine Überdachung des Fahrkartenautomaten (um auch bei Wind und Regen Tickets ziehen zu können) war nicht möglich, da die neuen Bahnsteigformen genormt waren. Aber in anderen Bahnhöfen sind Automaten meist überdacht. Nur in Borken war die Überdachung nicht möglich. Man hat den Eindruck, dass die DB gegenüber der Stadt immer wieder mit undurchschaubaren Gründen argumentiert. Gibt es da irgendwelche Konflikte zwischen Bahn und Stadt? Fazit: Das Gebäude an sich als einzige bauliche Erinnerung an die Zeit, in der man von Borken noch in viele Richtungen mit dem Zug fahren konnte, zu erhalten, wäre interessant, aber eigentlich sollte die Stadt oder ein Verein kein Geld investieren, wenn die Bahn auch kein Interesse daran hat, Zeugnisse aus ihrer Vergangenheit zu erhalten. Wer Interesse am Inneren eines solchen Gebäudes hat, kann auch diverse Eisenbahnmuseen besuchen.

Zum Thema:

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