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Leserbriefe

Jede Schule kann Inklusion – wenn sie will

Inklusion

Mittwoch, 12. September 2018 - 08:52 Uhr

von Hans-Werner Bick (aus Borken)

Leserbrief zum BZ-Artikel „Inklusion im Klassenzimmer“.

+++Symbolbild+++

Da hat sich ja etwas entwickelt: 2 Prozent der 4900  Schülerinnen und Schüler (SuS) der städtischen Schüler werden dort gefördert, obwohl sie sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf haben. Immerhin.

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Von diesen 102 SuS gehören 91 zu den „Lernentwicklungsstörungen“ (Lernen, Sprache und Emotional-soziale Entwicklung). Der Rest fällt unter die Unterstützungsbedarfe Hören, Geistige Entwicklung und Körperlich-Motorische Entwicklung. Daraus könnte man den Schluss ziehen, dass die Inklusion vor allem den SuS zugutekommt, bei denen die Aussicht besteht, den Unterstützungsbedarf zu verringern, wenn nicht sogar den Stempel der Behinderung gänzlich unsichtbar werden zu lassen. Was ist mit den Kindern und Jugendlichen, deren Behinderung viel gravierender in intellektueller oder motorischer Hinsicht ist? Warum ist diesen beinahe zur Gänze nur eine Förderung in Förderschulen möglich? Was heißt hier noch Inklusion, wenn bestimmte Unterstützungsbedarfe in den Regelschulen eher „ungern“ gesehen sind? Und wieso kann sich eine Schulform (Gymnasium) sich gänzlich dem Inklusionsgedanken entziehen?

Schulische Inklusion verstehe ich als einen Prozess, bei dem auf die verschiedenen Bedürfnisse von allen Kindern und Jugendlichen eingegangen wird. Veränderungen müssen jedoch von einer gemeinsamen Haltung getragen werden und von der Überzeugung, dass es in der Verantwortung des regulären Schulsystems liegt, alle diese Kinder und Jugendlichen zu unterrichten. Wenn wir, wenn Schule das ernst nimmt, dann dürfen nicht bestimmte Behinderungsarten „vor der Tür“ bleiben und dann dürfen sich auch nicht Teile des Schulsystems einfach verweigern. Und übrigens: Alle können im „Gemeinsamen Unterricht“ gewinnen. Denn Inklusion beinhaltet ja nicht nur die Förderung behinderter Kinder und Jugendlicher im Regelschulsystem, sondern Inklusion bedeutet die Förderung aller Kinder und Jugendlichen im heterogenen gemeinsamen Lernen und Leben. Dass dies niemandem schadet, sondern alle „vorwärts bringt“, beweist seit langem die Montessori-Gesamtschule. Dort werden mehr als 20 Prozent der SuS sonderpädagogisch unterstützt und gleichzeitig wechseln jährlich rund zwei Drittel in die gymnasiale Oberstufe. Nicht umsonst gilt diese Schule also als „Vorreiterschule“. Das liegt aber nicht unbedingt an ihrem „besonderen“ Selbstverständnis sondern an den o.g. anderen Ansätzen und Strategien. Und natürlich an der gemeinsamen Haltung aller Beteiligten. An diesen Stellen kann sich jede Schule entwickeln – wenn sie will.


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