LeserbriefeFREI

Geduld wird nicht belohnt

Impftermin-Vergabe

Mittwoch, 7. April 2021 - 09:30 Uhr

von Rudolf Koormann (Borken)

Leserbrief zur BZ-Berichterstattung über Corona-Impfungen.

Foto: dpa

+++Symbolbild+++

Was macht ein 73-Jähriger in Zeiten von Corona und Lockdown an Ostern? Er verbringt die Tage am PC, am besten mit dem Telefon in der Hand, um das Angebot zur Impfung mit Astrazeneca zu nutzen.

Per Computer gelingt es ihm am Karsamstag, sich und seine Ehefrau als Impfwillige

registrieren zu lassen, unter Angabe aller persönlichen Daten und eines Passworts.

Das klappt auch. Prima!

Einen Impftermin direkt im Anschluss zu buchen, klappt dagegen nicht. Pech gehabt!

Stattdessen wird der Senior vertröstet auf E-Mails, die er in seinem „Postfach“ finden soll. Alternativ greift er zum Telefon und wählt 116117. Er gerät in Warteschleifen,

die sich nach dem Drücken weiterer Tasten ergeben, und erfährt schließlich, dass alle Leitungen „in Ihrem Landkreis“ belegt sind – und das zigmal am Tag, bis 20 Uhr.

Parallel dazu schaut er immer wieder ins E-Mail-Postfach. Vergeblich, keine Nachricht!

Weitere Versuche am Telefon schon beim Frühstück am Ostersonntag laufen ins Leere (wahrscheinlich war das schon zu „spät“.) Die Antwort ist die gleiche wie am Vortag. Doch dann, siehe da, finden sich am Nachmittag E-Mails im Postfach, mit dem Angebot, sich anzumelden. Das wird sofort angeklickt, und was muss der Senior lesen: „Aktuell sind leider keine Terminbuchungen für die Impfzentren in Westfalen-Lippe über dieses Portal möglich.“ Pech gehabt!

Mehrere Versuche am PC und am Telefon scheitern.

Am Ostermontag geht’s weiter, denn so schnell will der Senior ja nicht aufgeben.

Und siehe da, am Telefon gerät er an eine freundliche Damenstimme, doch hat diese auf die Frage nach dem Wohnort („Borken!“) nur die Antwort: „Dort ist alles schon ausgebucht.“ Schließlich kommt aus dem Familienkreis die Nachricht, dass der Impfstoff ausgegangen ist.

Was macht der Senior nun? Er wird warten (müssen), bis von „79“ zu ihm runtergezählt ist, und teilt sich enttäuscht mit seiner Ehefrau ein Marzipan-Osterei.