LeserbriefeFREI

„Erschreckende Wissenslücken“

Wölfe

Donnerstag, 1. April 2021 - 13:30 Uhr

von Johannes Schulze Wasserkönig (Schöppingen)

Leserbrief zum Leserbrief von Tatjana Liss-Horst.

Foto: Colourbox.de

+++Symbolbild+++

Ihre Aussage, dass ein Wolf schwache und kranke Tiere reißt, ist zwar in seinem Grundtenor richtig, aber zeigt doch nur einen geringen Teil der Wahrheit. Zu dieser Wahrheit gehört nun mal eben auch (und das zeigen inzwischen mannigfaltige Berichte), dass ein einzelner Wolf oder auch mehrere durchaus nicht nur töten, um sich Nahrung zu beschaffen, sondern von Zeit zu Zeit in eine Art Blutrausch geraten und mehrere Tiere, ja manchmal sogar mehr als ein Dutzend einer Herde, reißen. Gerade bei Schafen fatal, denn diese lammen danach häufig ab und bringen nur noch den toten Nachwuchs zur Welt. Überdies steigt die Wolfspopulation stetig weiter von 105 Rudeln in 2018/2019 auf 128 Rudel in 2019/2020 – ein Zuwachs von 22 Prozent und das nur bei den Rudeln! Den Jäger als reinen „Gewinnwirtschaftler“ darzustellen, greift hier völlig zu kurz. Zu seinen Aufgaben gehören nämlich auch sogenannte Hegeabschüsse – es werden also Tiere erlegt, die klare Anzeichen einer Krankheit oder Schwächesymptome aufweisen. Das ist Pflicht für einen Jäger. Und zum Thema ausgerottete Arten: Sehr wohl haben schon Katzen andere Tierarten ausgerottet, wenn auch vornehmlich in Australien und Neuseeland und nicht in Deutschland. Aber auch die hier lebenden rund 13 Millionen Katzen töten jährlich zig Millionen Vögel und rauben deren Nester aus. Und zwar nicht, weil sie Hunger hätten, sondern weil sie die Vögel beim Spielen langsam töten. Recht brutal, würde ich meinen. Sicher, auch die Landwirtschaft trägt zu einem Artenverlust bei, aber wer kann sich davon schon freisprechen? Was ist mit den Spaziergängern im Wald, die nicht auf den Wegen bleiben? Was ist mit den Menschen, die ihren Plastikmüll ins Meer werfen, und die Fische fressen ihn dann?

Erschreckend die Wissenslücken, die Ihr Leserbrief offenbart.