Mit der Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr Informationen. Verstanden
Das Wetter in
Borken
Heute
1°/6°
Leserbriefe

Egoismus belastet Allgemeinheit

Windkraft

Samstag, 8. Februar 2020 - 09:30 Uhr

von Lars Voges (aus Stadtlohn)

Leserbrief zum Thema „Grüne Gärten/Windkraftanlagen“.

Foto: BZ-Archiv

+++Symbolbild+++

Der letzte Leserbrief zum Ausbau der Windenergie auf der Kreisseite von Prof. Werner Mathys sprach sich dafür aus, dass der Markt die zukünftige Energieversorgung regeln solle. Das darf nicht der Schlusspunkt der Diskussion sein. Natürlich benötigen wir einen kühlen Verstand bei allen Entscheidungsträgern und eine Offenheit für Technologie-Alternativen – von Wasserstoff bis Kernfusion.

Nur: Die unsichtbare Hand des Marktes ist deshalb unsichtbar, weil es sie nicht gibt. Die Kilowattstunde Strom, die aus Windkraft erzeugt wird, kostet heute vier Cent gegenüber zehn Cent für eine Kilowattstunde Atomstrom. Nach den angeblichen Marktgesetzen müsste der weitere Ausbau der Windenergie demnach boomen. Tut er aber nicht. Denn der Preis allein macht noch keinen freien Markt. Zentral ist die Konkurrenz. Doch die gibt es nur in den Nischen fernab jeder Wirtschaftspolitik: bei den kleinen Selbstständigen wie Handwerkern, Gastwirten oder Ladenbetreibern.

Der Grund hierfür liegt auf der Hand: Hohe Investitionskosten bei unkalkulierbarem Risiko (und damit Gewinn) können allenfalls Großkonzerne aufbringen. Tun sie es, nehmen sie automatisch eine marktbeherrschende Stellung ein. Mit der traditionellen Vorstellung von Wettbewerb hat das gar nichts zu tun. Vielmehr führte dies zu genau jenem Egoismus zu Lasten der Allgemeinheit, den Herr Prof. Dr. Mathys in seinem Leserbrief gerade beklagt hat. Es ist reine Ideologie, eine Staatsferne zu fordern, wo gar kein Markt existiert, der einen Wettbewerb entfalten könnte.

Außerdem gibt es in der Wirtschaftsgeschichte bis heute kein Beispiel für ein Infrastrukturnetz, das ohne Staatsbeteiligung errichtet wurde. Man denke nur an die deutschen Eisenbahnen: Die privaten Projekte scheiterten früh, weil die Rentabilität zu gering war, die Vernetzung nicht gelang und ländliche Gebiete nicht erschlossen wurden. Es war ausgerechnet ein Liberaler, der im 19. Jahrhundert die preußischen Eisenbahnen in öffentliches Eigentum überführte. Ein Gegensatz von Staat und Kapitalismus hat noch nie existiert.


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.