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Leserbriefe

„Das Wachstum hat Vorrang“

Neuansiedlungen

Montag, 15. April 2019 - 17:46 Uhr

von Ulrich Kranenburg (aus Borken)

Leserbrief zum Artikel „Gewerbepark vor Grenzüberschreitung“

Foto: Berger

In unserem Kulturkreis war einst ein Paradigmenwechsel (180 Grad-Wende) erforderlich, um den Gedanken ewiger, unbegrenzter Glückseligkeit ins Diesseitige zu wenden. Unser Ressourcenhunger ist heute auf Exzess ausgelegt, derart, dass die Grenze der Tragfähigkeit von Mutter Erde erreicht ist. Immer wieder gibt sie uns heute zu verstehen: Ich bin erschöpft. Genau wie Mensch und Gesellschaft.

Das Paradigma, durch Expansion materieller Güter zur Glückseligkeit zu kommen, hat sich nachweislich längst erschöpft. Am Ende versuchen viele, eine neue zu formulieren. Ihr Sinn für kulturelle Traditionen scheint dabei weiter zurückzureichen als die modernen westlichen Gesellschaften. Heute vollziehen sich viele Veränderungen. Menschen fangen an, Dinge anders zu sehen, haben Zweifel am Bestehenden und orientieren sich neu. Freizeit, Familie, Freunde oder die Freude an der Natur scheinen wichtiger zu werden als die exzessive Akkumulation materieller Güter. Eine Kunst der Beschränkung, Rückkehr zu einem menschlichen Maß, das unseren individuellen, gesellschaftlichen und natürlichen Ressourcen entspricht. Könnte es sein, dass wir am Anfang einer Zeit stehen, wo Menschen vorwiegend durch immaterielle Güter ihr Glück speisen werden? Stehen wir am Anfang eines weiteren Paradigmenwechsels?

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Eine vernunftgesteuerte Debatte ist noch schwierig. Noch schützen große Teile der Gesellschaft ihr Eigenverständnis, ihr Gesellschaftsmodell, das sie über Generationen entwickelt haben, durch Tabus. Unerschütterlich halten sie daran fest, dass es immer mehr vom Gleichen sein müsse, um die Probleme von Wirtschaft und Gesellschaft zu lösen: immer mehr Wachstum. Bestenfalls sind sie bereit, den Motor des Raubbaus an der Natur ein wenig von einem Spurenelement der Luft zu befreien, um dann beschleunigt den Exzess in „grün“ fortzusetzen.

Von einer Ideologie geblendet, wird man im Gewerbepark weiter voll auf Wachstum setzen und ausgefeilte Strategien (Wachstum!) mit dem Ziel entwickeln, die bedrohlichsten Wirkungen jenes Wachstums, das soeben generiert wurde, für unsere Mitgeschöpfe ein wenig zu dämpfen und einzudämmen.

Wo immer durch die Stadt Weichen gestellt werden, das Wachstum hat Vorrang.


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