Leserbriefe

Allgemeinzustand des Tiergartens ist erbärmlich

Kunst und Tiergarten

Donnerstag, 8. Oktober 2020 - 11:30 Uhr

von Reinhard G. Nießing (Raesfeld)

Leserbrief zur BZ-Berichterstattung über Kunstwerke und den Tiergarten am Schloss Raesfeld.

Foto: Gemeinde Raesfeld

Eine Skulptur wurde am Schloss Raesfeld montiert.

Mit Kunstwerken sollte man sich auseinandersetzen, insofern bin ich dem Künstler der Skulpturen auf dem Schlosshof sehr dankbar. Meine spontane Assoziation mit seinen Werken wirft ein Schlaglicht auf den Raubbau an der Natur im Allgemeinen und auf den verwahrlosten Zustand des Renaissance-Tiergartens Schloss Raesfeld im Besonderen.

Ist das ein Beleg für den Umgang mit der Natur? Oder fehlt einfach die Kenntnis von Forstwirtschaft im ökonomischen Sinn? Das sind die zwei Seiten, die mir vor Augen geführt werden, wenn ich dieser Tage wie so oft durch den Tiergarten wandere. Wenn ich mich recht erinnere, gab es in früheren Zeiten eine treffende Werbeaussage über den wunderschönen Tiergarten am Schloss Raesfeld: „Wenn Sie Wege zum Wandern, Wiesen zum Rasten und Wälder wie im Bilderbuch suchen, dann sind Sie hier genau richtig.“

Leider liegen diese vor Kraft strotzenden Bilderbuch-Bäume zuhauf an den Wegesrändern, und der Wald lichtet sich von Jahr zu Jahr immer mehr. An welchen Stellen aufgeforstet wird, erschließt sich mir nicht. Teiche versumpfen oder existieren schon längst nicht mehr, weil sie zugewachsen sind, wie das traurige Beispiel des ehemaligen Forellenteichs jedem Waldbesucher drastisch vor Augen führt. Entlang des Langen Teichs säumen der Wildwuchs und die wilde Haselnuss den Uferrand, Totholz und umgefallene Bäume verschandeln die Teichanlage zusehends. Weitere Teiche lassen eine spiegelnde Wasseroberfläche nur noch erahnen. Die Ruhebänke am Ottoteich wirken nicht wirklich einladend und von dem informativen Forstlehrweg, angelegt durch den Raesfelder Heimatverein, zeugen noch einige wenige der mittlerweile verrotteten Pfosten verblichener Informationstafeln.

Sorry, aber ich finde den Allgemeinzustand des Tiergartens einfach nur erbärmlich. Und um die vielen prächtigen Baumstämme, die mittlerweile auch noch rund um das Schloss „zweckentfremdet herumliegen“, tut es mir aufrichtig leid. Wie sagte der großartige Naturforscher Alexander von Humboldt so treffend: „Habt Ehrfurcht vor dem Baum, er ist ein einziges großes Wunder, und euren Vorfahren war er heilig.“

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