FussballFREI

Kein Titelduell, aber großer Reiz - Es „knistert“ im Clásico

Fußball

Freitag, 5. März 2021 - 12:14 Uhr

von Von Christian Kunz und Heinz Büse, dpa

dpa München. Auf Augenhöhe begegnen sich der FC Bayern und der BVB diesmal nicht. Ein alltägliches Spiel ist das Duell der beiden prägenden Teams des letzten Jahrzehnts aber keineswegs. Vieles spricht für die Bayern.

Ein Titelduell ist dieser deutsche Clásico nicht, die Brisanz trotzdem riesengroß. Auf dem Weg zur nächsten Meisterschaft will Tabellenführer FC Bayern gerade gegen Borussia Dortmund als größten Rivalen des vergangenen Jahrzehnts ein Zeichen der Stärke setzen.

„Spiele gegen Dortmund sind immer besonders“, hob der Münchner Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich hervor. „Wir haben zwar ein paar Punkte Vorsprung, aber Dortmund hat die Qualität oben mitzuspielen. Daher macht die Mentalität am Ende vielleicht den Unterschied.“ Liebend gerne möchte der BVB die großen Bayern von der Tabellenspitze stürzen.

Der Tabellenfünfte Dortmund hat bei 13 Punkten Rückstand auf die Münchner keine reelle Chance mehr auf die Schale, auf Augenhöhe begegnen sich die beiden Champions-League-Achtelfinalisten am Samstag (18.30 Uhr/Sky) nicht. Ein Sieg in der Allianz Arena gegen den im direkten Duell zuletzt viermal in Serie erfolgreichen Club-Weltmeister wäre abgesehen von Punkten für die Königsklassen-Qualifikation auch fürs Prestige äußerst wertvoll.

„Im Clásico knistert es immer“, sagte BVB-Chef Hans-Joachim Watzke. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Dortmund erstmals seit 2016 vor dem Bundesliga-Knaller nicht in den Top 4 platziert ist. „Es bleibt ein Spitzenspiel“, stimmte Bayern-Präsident Herbert Hainer zu.

Aber vor diesem Kräftemessen spricht alles für die Bayern. Anders als die im Pokal ins Halbfinale eingezogene Borussia hatten die im Cup-Wettbewerb längst ausgeschiedenen Münchner eine komplette Trainingswoche. Während beim Serienmeister die Ausfallserie weitestgehend beendet ist, muss der Gast um die unverzichtbaren Stammkräfte Jadon Sancho (9 Vorlagen) und Raphael Guerreiro (8) bangen. Und in München gab es zuletzt bei sechs deprimierenden Bundesligapartien mit null Punkten und 3:26 Toren so manche Lehrstunde. „Ich habe immer das Gefühl, dann macht es beim FC Bayern immer noch besonders Klick“, sagte Sportdirektor Michael Zorc.

Unwillkürlich rückt beim Wettschießen der zwei besten Offensiven der Liga auch das Torjägerduell zwischen Robert Lewandowski und Erling Haaland in den Fokus. Gegen Köln erzielte Lewandowski beim 5:1 seinen siebten Mehrfachpack in dieser Saison und zog in dieser Kategorie an Haaland (6) vorbei. Und der Pole, der die legendäre 40-Tore-Marke von Gerd Müller jagt, erzielte gegen keinen anderen Verein in Pflichtspielen mehr Tore als gegen Dortmund.

Mit BVB-Koloss Haaland machte Kimmich im letzten Duell beim 3:2-Erfolg im November bei einem Zusammenprall unliebsame Erfahrungen. Damals verletzte sich der 26-Jährige, doch das hat er lange hinter sich gelassen. „Es war ein Unfall, das passiert“, sagte Kimmich und pushte sein Team vor dem nächsten Match. „Den absoluten Willen brauchen wir in jedem Spiel, nicht nur gegen Dortmund. Aber gerade gegen Dortmund“, sagte Kimmich.

Trainer Hansi Flick, der alle seine vier Pflichtspiele gegen Dortmund gewann, hat durch die Rückkehr von Thomas Müller und Leon Goretzka nach deren Corona-Infektionen auch die Stammbesetzung für die Mittelfeldzentrale zusammen. Der „Wiedereinstieg“ gegen Köln sei kein Problem gewesen, berichtete Müller, der beim 5:1 sein Konto als bester Vorlagengeber der Liga auf elf erhöhte. „Ein wichtiger Sieg ist dabei rausgekommen, der uns hilft, mit etwas Vorsprung weiter an der Spitze der Bundesliga zu bleiben.“ Gegen Dortmund soll mit dem ebenfalls schon gegen Köln erfolgreich zurückgekehrten Serge Gnabry ein weiterer folgen.

Die Borussen hoffen auf Schwung durch den Pokalerfolg in dieser Woche in Mönchengladbach und wollen nach zuletzt zwei 2:3-Niederlagen in München endlich wieder etwas Zählbares mitnehmen. Wir haben in beiden Partien gezeigt, dass wir näher rangekommen sind“, sagte Trainer Edin Terzic vor dem Spiel am Samstag.

© dpa-infocom, dpa:210305-99-700877/4