Deutsche Turner patzen am Reck - Team-Finale kaum noch drin
dpa Doha. Die „schwierigste WM“ für die Deutschen, so hat es Fabian Hambüchen aufgrund zahlreicher Verletzungssorgen befürchtet. Die Riege um Marcel Nguyen turnte an vier Geräten stabil, doch dann kamen Stürze an Reck und Boden. Trost ist die Qualifikation für die Heim-WM.
Turnen
Bis zum Reck lief alles nach Plan, doch dann folgten Stürze von Marcel Nguyen und Andreas Toba. „Das war einfach nur Kacke“, ärgerte sich Olympia-Held Toba, nachdem die deutschen Turner damit wohl die Chance verpasst hatten, sich für das Team-Finale der WM in Doha zu qualifizieren.
Mit 241,935 Punkten rangierten die Deutschen nach dem achten von zehn Durchgängen zwar noch auf Platz sieben, aber die Favoriten aus China und Großbritannien stehen noch am Ablauf. Nur die besten acht Teams erreichen das Finale. „Jetzt können wir nur auf Fehler der anderen hoffen, aber der Finaleinzug ist ziemlich unrealistisch“, meinte Philipp Herder, der sich vor allem über seinen Sturz am Boden ärgerte.
Die Hoffnung Marcel Nguyen (14,566) auf den Einzug in das Barren-Finale hatte sich vorzeitig zerschlagen. Hingegen darf Lukas Dauser (14,933) vor dem Fernseher im Hotel noch ein wenig bangen, ob es für ihn vielleicht trotz der erwartet starken Chinesen doch noch für das Finale reicht. „Ich bin insgesamt mit meinem Wettkampf zufrieden“, meinte der lange verletzte Unterhachinger.
Als derzeit Zehnter der bereinigten Mehrkampf-Wertung dürfte er mit 80,539 Punkten sicher das Finale der Top 24 erreicht haben. Auch Marcel Nguyen darf auf Rang 17 noch darauf hoffen. „Ich würde mich schon gern noch mal im Finale vorstellen“, bekannte der Olympia-Zweite von 2012.
Nur ein kleiner Trost für die Deutschen war, dass der erste Schritt in Richtung Olympia sicher gegangen wurde. Die besten 24 Mannschaften qualifizieren sich für die WM 2019 in Stuttgart, wo die letzten neun Olympia-Tickets vergeben werden. Die ersten drei Teams des Team-Finales von Doha qualifizieren sich direkt für Tokio 2020. „Ich habe einen Schulterschluss gesehen. Das Ergebnis war nach den vielen Problemen nicht unbedingt so zu erwarten“, sagte Cheftrainer Andreas Hirsch.
Olympiasieger Fabian Hambüchen hatte vor dem ersten Auftritt der Deutschen kein so gutes Gefühl. „Tatsächlich könnte dies die schwierigste WM überhaupt für die deutschen Männer werden“, hatte er aufgrund der Verletzungsprobleme von Nguyen und Toba prognostiziert. Doch entgegen seiner Erwartungen mussten die Deutschen am „Zittergerät“ Pauschenpferd keinen Absturz hinnehmen und verbuchten an den Ringen ein Spitzenresultat. Ohne größere Patzer beim Sprung und am Barren schoben sie sich in der Teamwertung nach vorn, ehe an den letzten beiden Geräten etwas die Konzentration fehlte.
Die Führung in der Mannschaftswertung behauptete nach acht von zehn Durchgängen Russland (258,402 Punkte) überraschend vor Olympiasieger Japan (253,312). Bester Mehrkämpfer war nach acht von zehn Gruppen der Russe Nikita Nagorni mit 87,098 Zählern. „King Kohei“ - der japanisch Rekordweltmeister Kohei Uchimura - kann seinen siebten Allround-Titel nicht anpeilen, weil er wegen einer Fuß-Verletzung auf drei Geräte verzichten musste. Er hielt sich aber mit Bestnote 14,60 am Reck schadlos.