NRW

Wolf tötete Erwin Biedermanns Schafe in Dorsten-Rhade

Entsetzt war Wanderschäfer Erwin Biedermann nach der Attacke auf seine Schafe in Dorsten-Rhade. Nun steht fest, welcher Wolf seine Tiere tötete.

Von Berthold Fehmer

05.04.2023

Erwin Biedermanns Herde wurde von einem Wolf attackiert - das steht nach einer DNA-Analyse mittlerweile fest.

Erwin Biedermanns Herde wurde von einem Wolf attackiert - das steht nach einer DNA-Analyse mittlerweile fest.

© Fehmer

Was über GW2889m bekannt ist

DORSTEN-RHADE. Als „Bild des Grauens“ beschrieb Erwin Biedermann, was er am 16. Februar morgens in Dorsten-Rhade vorfand. Zum ersten Mal in seinen 50 Jahren als Schäfer wurden Tiere seiner rund 370 Tiere starken Herde gerissen. Viele waren geflüchtet und mussten in der Nachbarschaft zusammengesucht werden.

Nach genetischer Untersuchung durch das Senckenberg-Institut steht nun fest: Es war ein Wolf. Dessen Bilanz auf der Seite wolf.nrw liest sich so: Zwei Alttiere tot, sechs Lämmer tot, zwei Lämmer verletzt und später euthanisiert, ein Lamm verletzt, zwei Lämmer und zwei Alttiere nachträglich tot aufgefunden, zwei Verlammungen (jeweils Zwillinge). Mit „Verlammungen“ sind Fehlgeburten gemeint, die Erwin Biedermann auf den Stress durch die Wolfsattacke zurückführt.

Dahinter steckt ein männlicher Wolf mit der Kennung GW2889m. Dieser ist bereits im Wolfsgebiet Schermbeck, zu dem auch Dorsten gehört, mehrfach genetisch nachgewiesen worden. Erstmals am 4. Juli 2022, dann am 12. Juli, am 28. August sowie am 3. September. Jeweils in Schermbeck und jeweils durch die Analyse von Kot- und Urinspuren.

Bei GW2889m handelt es sich allerdings um keinen Wolf aus dem Rudel um Wölfin Gloria, die mit ihrem Bruder bereits mehrere Nachkommen gezeugt hat. Das Herkunftsrudel von GW2889m ist bislang laut LANUV unbekannt. Und: GW2889m ist vor dem Vorfall in Dorsten-Rhade bislang nicht durch Nutztierrisse aufgefallen, ernährt sich also von Tieren, die er in der freien Natur findet.

Auf der Flucht vor dem Wofl haffen die Schafe Stachdeldraht-Zäune überwunden.

Auf der Flucht vor dem Wofl haffen die Schafe Stachdeldraht-Zäune überwunden.

© Berthold Fehmer

18 Tiere getötet

Die Schafsrisse in Dorsten-Rhade waren die ersten im Dorstener Norden, das zwar zum Wolfsgebiet Schermbeck gehört – allerdings nicht zum sogenannten Streifgebiet des Rudels um Wölfin Gloria. Ob GW2889m auch für die Schafsrisse in Erwin Biedermanns Herde am 19. März in Lembeck verantwortlich ist, muss erst noch die DNA-Analyse zeigen. An diesem Tag wurden 18 Tiere (3 Alttiere, 15 Lämmer) durch oder in Folge eines Angriffs getötet, ein Lamm wurde verletzt.

Zwischen den beiden „Tatorten“ liegt die A 31. Für Wölfe sei diese eine „Riesenbarriere“, so LANUV-Sprecher Wilhelm Deitermann. Ein Blick auf das Schermbecker Rudel bestätigt dies: Dort dauerte es einige Zeit, bis die Wölfe jenseits der A 31 und A 3 nachgewiesen werden konnten. Ein Nachkomme Glorias wurde Anfang Dezember auf der A 31 überfahren.

Auswirkungen auf Wolfsgebiet

Falls GW2889m aber auch bei den Rissen in Lembeck nachgewiesen werden könnte – was würde das für das Wolfsgebiet Schermbeck bedeuten? Das Wolfsgebiet Schermbeck sei so groß gefasst, dass auch mehrere Rudel darin Platz fänden, so Deitermann. Rhade und Lembeck liegen im Wolfsgebiet Schermbeck aber am Rand. Ob dort Wölfe als sesshaft („territorial“) eingestuft werden, so Deitermann, hänge an der Frage, ob man über sechs Monate mehrere individualisierte Nachweise bekomme.

Ob ein Wolfsgebiet Schermbeck in solch einem Fall vergrößert würde oder ein neues Wolfsgebiet eingerichtet werde, sei „Spekulation“, so Deitermann, und lasse sich noch nicht beantworten. Denn hinter einer solchen Entscheidung stünden viele EU-Regelungen und Förderrichtlinien. Im Wolfsgebiet können Nutztierhalter eine Förderung für wolfsabwehrende Maßnahmen (Zäune, Herdenschutzhunde) erhalten, müssen diese aber auch einsetzen, um bei Rissen eine Entschädigung zu bekommen.

Wolf tötete Erwin Biedermanns Schafe in Dorsten-Rhade

© Fehmer