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Nahverkehr kämpft gegen Vertrauensverlust durch Corona

Nahverkehrsunternehmen: Kundenzahl deutlich gesunken

Donnerstag, 30. Juli 2020 - 11:01 Uhr

von Hilmar Riemenschneider

Runter von der Straße, dafür rein in Busse und Bahnen oder rauf auf die Radwege – diese Devise für eine Verkehrswende ist mit der Corona-Pandemie unter die Räder gekommen. Lange Zeit nutzte nur noch ein Fünftel der Fahrgäste den öffentlichen Nahverkehr. Von

Foto: Fabian Strauch/dpa

Verkehrsminister Hendrik Wüst startete die Werbekampagne für den Nahverkehr – der habe mehr Vertrauen verdient.

Düsseldorf - Der Verkauf von Einzel­tickets sackte gar fast auf null ab. Inzwischen sind die Zahlen zwar wieder auf fast 60 Prozent gestiegen, aber die Unternehmen spüren die „heftigen Verluste“ massiv, wie Ulrich Jaeger am Mittwoch berichtet. Der Vorsitzende der Landesgruppe NRW im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen reagiert zwar wie jeder Nahverkehrsmanager erleichtert auf den Fünf-Milliarden-Schutzschirm von Bund und Ländern. Aber ihm ist auch klar: Der Weg zu alter Größe dürfte lang und schwierig werden. Denn neben finanziellen Einbußen kämpfen sie vor allem gegen einen Vertrauensverlust.

Eine bundesweite Werbekampagne soll deshalb wie-der Vertrauen in die persönliche Sicherheit bei Bus- und Bahnfahrten schaffen. Im Zentrum steht ein Appell, die Maskenpflicht zu respektieren. „Die Maske ist das Quäntchen Schutz, das wir brauchen“, betont Jaeger. Denn die Angst, sich unterwegs mit Covid-19 zu infizieren, hält viele Menschen noch immer davon ab, in ein öffentliches Verkehrsmittel zu steigen. Dabei gebe es keinen Fall, wo der Nahverkehr zum Corona-Hotspot geworden wäre. Der Aufwand zur Reinigung sei deutlich erhöht worden. „Wir wollen aber erreichen, dass die Fahrgäste neben dem Fahrschein bitte auch die Maske mitbringen“, wirbt Jaeger.

Auslastung wird steigen

Die vielleicht größte Herausforderung unter Corona steht den Verkehrsunternehmen dabei noch bevor: Wenn die Schulen ab dem 12. August wie geplant wieder in den Regelbetrieb starten, wird es auch in Bussen und Bahnen enger. NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) rechnet damit, dass dann die Auslastung auf rund 75 Prozent steigt.

Für eine dichtere Taktung oder längere Züge fehlen den Verkehrsunternehmen nach eigenen Angaben allerdings die Kapazitäten. Manche Städte prüfen deshalb bereits, ob man die Anfangszeiten in den Schulen staffeln und so die Nachfrage entzerren kann.

„Masken sind wichtig“

Keine perfekte Voraussetzung für eine Vertrauenskampagne. Hamms Oberbürgermeiste Thomas Hun­steger-Petermann, zugleich Vizepräsident des NRW-Städtetages, benennt als Zielgruppe der Botschaft die Generation der über 50- und 60-Jährigen, die Angst vor einer Ansteckung habe: „Masken sind wichtig, damit die Gruppe der Ängstlichen sieht: Man kümmert sich.“

Ein Signal, das Bund und Länder den Kommunen bereits für das laufende Jahr gegeben haben: Das Einnahmenminus — allein in NRW geht es 2020 um rund eine Milliarde Euro — wollen sie auffangen. Wenn die Krise andauere, sei das Land gesprächsbereit, sagt Wüst. Er wolle verhindern, dass Angebote ausgedünnt oder gestrichen werden.