NRW

Kritik am Krisenmanagement der Schulministerin

Kontroverse unter Schulleitern: ein Feldversuch - viele böse Briefe

Mittwoch, 26. August 2020 - 08:01 Uhr

von Hilmar Riemenschneider

Den Schulleitern in NRW platzt der Kragen. Allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Mit einem geharnischten Brandbrief hat sich die Schulleitungsvereinigung NRW (SLV) bei Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) über das Krisenmanagement von Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) beschwert.

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Symbolbild

DÜSSELDORF. Von einem „Feldversuch“ spricht der Vorsitzende Harald Willert in dem Schreiben und unterstellt dem Ministerium, „sich allein durch die Formulierung geeigneter Vorgaben aus der Affäre zu ziehen“. Allerdings ließen sich viele Regelungen vor Ort kaum umsetzen, zudem kämen sie viel zu kurzfristig. Mit dieser Fundamentalkritik hat sich der Verband indes den Ärger von rund 600 Gymnasialdirektoren und etwa 450 Gesamtschulleitungen zugezogen.

In dem offenen Brief konkretisiert der SLV die Kritik: Das Ministerium gebe „die gesamte Verantwortung an Gesundheitsämter, Schulträger und Schulleitungen weiter“, schreibt Willert und nennt Beispiele: Die Vorgaben für regelmäßiges Lüften und Abstand scheiterten oft an baulichen Vorgaben. Feste Lerngruppen mit festen Lehrkräften seien nicht einzuhalten. Die Mittel für die Digitalisierung könnten viele Schulen nicht abrufen. Und eine echte Beteiligung habe es nicht gegeben.

Gerade wegen dieser Kritik platzte bei den Kollegen in anderen Verbänden der Kragen. „Wir sind sehr erbost über diesen Brief“, sagte Rüdiger Käuser, Vorsitzender der Westfälisch-Lippischen Direktorenvereinigung. Weder in Tonlage und Wortwahl noch in den Inhalten teile er die Position. In einer gemeinsamen Stellungnahme lehnten die Rheinische und Westfälisch-Lippische Direktorenvereinigung sowie die Schulleitungsvereinigung der Gesamtschulen am Dienstag die „Pauschalkritik“ Willerts als nicht konstruktiv ab. Er bleibe Alternativen schuldig. Auch wenn die Entscheidung zur Maskenpflicht überraschend kam, sei sie dennoch zwingend gewesen, um Präsenzunterricht zu ermöglichen. Das Schuljahr sei gut gestartet, und die Beteiligung funktioniere eben doch, widersprechen die Verbände.

Schulverweise wurden aufgehoben

Schul-Staatssekretär Matthias Richter ließ die heftige Attacke des SLV abtropfen: „Wenn über 99 Prozent aller Schülerinnen und Schüler im Präsenzunterricht unterrichtet werden können, dann war die Entscheidung für einen angepassten Schulbetrieb in Corona-Zeiten genau die richtige.“ Für den Fall von Infektionen gebe es Vorkehrungen. Stand 19. August hätten sich rund 5000 Schüler in Quarantäne befunden, bei 306 sei eine Corona-Infektion nachgewiesen worden. Von 524 Lehrkräften in Quarantäne seien 30 infiziert gewesen.

Derweil überlegt man im Schulministerium, wie es nach dem 31. August mit der Maskenpflicht an Schulen weitergeht. Neben Infektionszahlen und Praxisberichten muss eine Entscheidung des Düsseldorfer Verwaltungsgerichts einfließen: Es hob den Schulverweis für zwei Gymnasiasten auf, die keine Maske tragen wollten. Dieser Ausschluss müsse zeitlich befristet werden.