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Kreis Gütersloh bittet Bundeswehr um Hilfe bei Corona-Tests

Coronaausbruch bei Schlachtbetrieb / Kritik an Tönnies-Äußerung

Donnerstag, 18. Juni 2020 - 15:55 Uhr

von dpa/lnw

Rheda-Wiedenbrück. Seit Donnerstag Nachmittag hat der Kreis Gütersloh die Reihenuntersuchung auf Corona-Infektionen beim Schlachtbetrieb Tönnies am Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück fortgesetzt. Nach Information der Zeitung „Neue Westfälische“ hat der Kreis für diese Aufgabe die Bundeswehr um Unterstützung gebeten.

Foto: Bernd Thissen

RHEDA. Nach Angaben eines Konzern-Sprechers sollen pro Tag 1500 bis 2000 Mitarbeiter auf das Corona-Virus getestet werden. Bislang hatten das Rote Kreuz und die Malteser bei den Tests geholfen. Diese Organisationen würden aber an ihre Grenzen stoßen. Die Bundeswehr soll laut Zeitung ab Freitag 13 Soldaten mit medizinischen Vorkenntnissen schicken, 12 Soldaten sollen bei der Dokumentation helfen.

Nach dem Start der behördlich angeordneten Reihe sind noch rund 5300 Tests offen. Von bislang 1050 untersuchten Mitarbeitern waren mehr als 650 Neuinfizierte (Stand Mittwochabend) entdeckt worden. Nach Konzernangaben soll dieser Durchlauf Anfang der nächsten Woche abgeschlossen sein. Der Kreis geht aber von einem längeren Zeitraum aus.

Kritik an Äußerung von Tönnies

Die Aussage des Fleischunternehmens Tönnies, die Corona-Infektionswelle in dem Betrieb sei von osteuropäischen Werkarbeitern von ihrem Heimaturlaub mitgebracht worden, hat bei Tönnies-Kritikern für Empörung gesorgt. Solche Aussagen machten aus Opfern Täter, sagte am Donnerstag der katholische Pastor Peter Kossen in Rheda-Wiedenbrück.

„Dann heißt es nachher: Die „dreckigen Rumänen“, die es mit der Hygiene nicht so wichtig nehmen, die tragen uns hier die Krankheit rein. Dann sind wir mitten in der Rassismus-Debatte, die wir weltweit haben“, sagte der Geistliche am Donnerstag bei Vorstellung eines Buches, das sich unter dem Titel „Das Schweinesystem“ kritisch mit der Branche auseinandersetzt.

Seit Jahren üben Gewerkschafter, Kirchenvertreter und Politiker Kritik an dem in der Fleischindustrie üblichen System, nicht auf eigene Belegschaft, sondern auf über Subunternehmer beschäftigte Werkarbeiter zu setzen. Tönnies habe das System als einer der ersten in die Branche eingeführt und setze es in allen seinen Schlachthöfen konsequent um, sagte der NGG-Funktionär Matthias Brümmer aus Oldenburg. „Das ist ein Exportschlager innerhalb der Branche.“