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Buddhisten in Deutschland: Werk ihres Lehrers fortsetzen

Religion

Samstag, 22. Januar 2022 - 10:27 Uhr

von Deutsche Presse Agentur

dpa Waldbröl. Die buddhistische Gemeinschaft in Deutschland will das Werk ihres verstorbenen Zen-Lehrers Thich Nhat Hanh fortsetzen. „Wir sind stabil und gefestigt, geben seine Lehren und seine Botschaft weiter und tun unser Bestes, um sein Erbe fortzuführen“, sagte der Mönch Thay Phap An der Deutschen Presse-Agentur. Er leitet das Europäische Institut für Angewandten Buddhismus (EIAB) in Waldbröl bei Köln, das der weltbekannte Zen-Meister und Friedensaktivist Thich Nhat Hanh 2008 ins Leben gerufen hatte.

Viele Tausend Besucher aus 35 europäischen Ländern haben dort seitdem in der klösterlichen Gemeinschaft im Oberbergischen an Kursen teilgenommen. Sie meditieren, sammeln Energie und stärken ihre innere Balance nach der Achtsamkeitslehre von Thich Nhat Hanh, schilderte der EIAB-Studienleiter. Nhat Hanh war am Samstag (Ortszeit) im Alter von 95 Jahren in seiner Heimat Vietnam gestorben.

Seit seinem Schlaganfall 2014 habe „Thay“ - so wird Thich Nhat Hanh von seinen Anhängern genannt - seine Schüler weltweit vorbereitet auf eine Zeit ohne ihn und sie bei diesem Übergang geleitet, betonte der Mönch. „Als Thay das EIAB gründete, wusste er bereits, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt. Unsere Gemeinschaft wird seine Vision in die Zukunft tragen.“

„Thay“ werde auch für sein Engagement für Frieden und seinen sozialen Einsatz weltweit verehrt. „Thay ist auch in Gefängnisse gegangen, um den Menschen dort zu helfen. Er hat schon seit den 1970er Jahren gemahnt, unsere Umwelt zu schützen“, sagte Bruder Phap An. Für alle diese Bereiche sei sein Tod ein großer Verlust. Die Verantwortung erfahrener Mönche und Nonnen für die klösterlichen Gemeinschaften werde wachsen.

Die Nonne Song Nghiem sagte: „Es tut sehr weh und ist sehr traurig. Aber ich bin auch zuversichtlich. Thay konnte uns schon seit 2014 nicht mehr besuchen und trotzdem sind die Menschen zu uns gekommen und haben sehr viel Vertrauen in uns gesetzt, dass wir seine Lehre vertreten können.“ Die Kursteilnehmerzahl sei gewachsen und steige nach Corona-Pause nun unter Pandemie-Auflagen erneut an. „Die Kinder, Glück und Harmonie in der Familie lagen unserem Lehrer immer sehr am Herzen.“ Diesen Fokus wolle man auch im EIAB pflegen.

Man stärke sich seit der Todesnachricht untereinander in Meditation. Es werde auch eine Trauerzeremonie in deutscher und englischer Sprache geben.

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