NRW

Anwohner übt Kritik an Gemeinde Schermbeck

Eigentümer Wilhelm Haferkamp fühlt sich von der Gemeinde Schermbeck „richtig im Stich gelassen“. Der Lippe-Damm hätte ihm zufolge früher gebaut werden müssen.Früh zeichnete sich ab, dass das Wasser näher kommt.

Von Marie-Therese Gewert

04.01.2024

Ununterbrochen wird in der Straße „Im Aap“ zur Zufahrt der Jugendfreizeitstätte und dem Hof Haferkamp Wasser abgepumpt. Seit Sonntag ist die Evakuierung aufgehoben.

Ununterbrochen wird in der Straße „Im Aap“ zur Zufahrt der Jugendfreizeitstätte und dem Hof Haferkamp Wasser abgepumpt. Seit Sonntag ist die Evakuierung aufgehoben.

© Fahrbahnfreunde Schermbeck

Hochwasser: „Armutszeugnis für den Krisenstab“

SCHERMBECK. Wilhelm Haferkamp fühlt sich von der Gemeinde Schermbeck „richtig im Stich gelassen“. Schon am zweiten Weihnachtstag wollte er als Eigentümer seinen Hof am Ende der Straße „Im Aap“ in Gahlen schützen, der zwischen Lippe und Wesel-Datteln-Kanal liegt. Auf seinem Gelände sind auch die Feldbahnfreunde Schermbeck und Gahlen beheimatet, bei denen er Mitglied ist. Damit wohnt er direkt in einem Überschwemmungsgebiet.

Haus-Eigentümer hatten im Jahr 2022 versucht, sich gegen die Entscheidung der Bezirksregierung, die Flächen als Überschwemmungsgebiet auszuweisen, zu wehren. Denn dort können sie nur sehr schwer versichert werden. Ein Problem, das auch die Evangelische Kirche bei ihre Freizeitstätte in Gahlen hat. Diese hat es besonders hart getroffen.

Wilhelm Haferkamp sagt, er habe schon am zweiten Weihnachtstag gefragt, ob an einer bedrohlichen Stelle nicht ein Damm von einem halben Meter aufgebaut werden könne. Allerdings sei er mit seinem Vorschlag auf den nächsten Tag vertröstet worden – und dann war es zu spät.

„Die Anwohner hier sind wütend“

Allein das Haus des Hausmeisters der Evangelischen Kinder- und Jugendfreizeitstätte sei im Keller bis unter die Decke geflutet worden: „Das hätte nicht sein müssen, wenn der Damm früher gebaut worden wäre“, kritisiert Haferkamp. Dann hätte es womöglich nicht einmal die Evakuierung gebraucht. Hals über Kopf hätte er das Haus erst verlassen müssen – und an Silvester sei der Anruf gekommen, dass die Evakuierung zwar aufgehoben sei. Die Zufahrtsstraße zu den Häusern blieb aber weiterhin gesperrt: „Die Anwohner hier sind wütend“, erklärt der Gahlener.

Krisentelefon sei lange gar nicht erreichbar gewesen

Dankbar ist er für die geleistete Nachbarschafts- und Dorfhilfe auch der Landwirte, die mit Traktoren und Staplern angerückt seien, um das Wasser zurückzudrängen: „Der Krisenstab ist ein Armutszeugnis“, meint er. Das Krisentelefon im Rathaus habe er lange gar nicht erreichen können.

Gerd Abelt, Sprecher der Gemeinde, teilte mit, dass er seit Heiligabend im steten Austausch mit dem Ordnungsamt gewesen sei und sich stets über die Hochwassersituation informiert habe. Nachdem der Krisenstab Silvester beschloss, die Evakuierung aufzuheben, habe die Gemeinde Kontakt zu den Betroffenen aufgenommen.

Die Straße sei gesperrt worden, um „Hochwassertouristen“ fernzuhalten und weil die Fahrbahn nicht gesichert gewesen sei. Anlieger dürfen wieder zu ihren Häusern fahren. Das Bürgertelefon sei nur in den mitgeteilten Zeiten erreichbar gewesen und wurde aber inzwischen abgestellt, so Abelt.

Anwohner übt Kritik an Gemeinde Schermbeck

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