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Prozess um Vergewaltigung und Mord im Altenheim

Kriminalität

Dienstag, 4. Mai 2021 - 07:34 Uhr

von Deutsche Presse Agentur

dpa München. Die alte und kranke Frau sollte in Sicherheit sein, aber wurde sie Opfer eines brutalen Verbrechens. In München beginnt ein Prozess um Mord und Vergewaltigung. Der mutmaßliche Tatort: ein Altenheim.

Am Landgericht München II beginnt am Dienstag (09.30 Uhr) der Prozess gegen einen Alzheimer-Patienten, der eine Mitbewohnerin in einem Altenheim vergewaltigt und ermordet haben soll.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 88-Jährigen vor, brutal über eine ebenfalls demente Mitbewohnerin in einem Heim im Landkreis Miesbach hergefallen zu sein. Er soll die bettlägerige Frau in ihrem Zimmer vergewaltigt und so heftig verprügelt haben, dass sie später im Krankenhaus an einer Lungenentzündung starb - ausgelöst durch eingeatmetes Blut. Der Mann soll ihr auch Rippen gebrochen haben. Die Vorwürfe lauten auf Mord und Vergewaltigung mit Todesfolge.

Der 88-Jährige gilt wegen seiner Erkrankung als schuldunfähig. Ihm droht im Falle einer Verurteilung keine Haftstrafe, aber die dauerhafte Unterbringung in einer geschlossenen Psychiatrie.

Ein ganz ähnlicher Fall hatte das Landgericht München II erst Ende April beschäftigt. Für einen ebenfalls demenzkranken Mann, der in einem Spezialpflegeheim bei München mehrere Frauen missbraucht haben soll, wurde die dauerhafte Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung angeordnet. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann seine auch erkrankten Mitbewohnerinnen in dem auf Demenzerkrankungen spezialisierten Pflegeheim mehrfach missbraucht hat. Über Monate verging er sich demnach immer wieder an ihnen, eine der Frauen soll er viermal vergewaltigt haben.

Der Prozess hatte auch Patientenschützer auf den Plan gerufen. „Sexualität in Pflegeeinrichtungen ist noch immer ein Tabu-Thema. Übergriffe unter Pflegeheimbewohnern kommen häufiger vor als gedacht und geschehen selten unbemerkt“, sagte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, und forderte „eine Kultur des Hinschauens“ - vor allem weil Betroffene, sofern sie überhaupt noch in der Lage sind, sich zu äußern, aus Scham oft schweigen.

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