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Theater um Dresdner Semperopernball wegen Al-Sisi

Gesellschaft

Mittwoch, 5. Februar 2020 - 12:00 Uhr

von Von Simona Block, dpa

dpa Dresden. „Märchenhaft rauschend - Dresden jubiliert“ lautet 2020 das Motto des Semperopernballs. Doch Ägyptens Machthaber Al-Sisi als Preisträger erschien vielen eher obskur als märchenhaft - kurz vor dem Ball zieht der Impresario die Notbremse.

Eine skandalöse Ehrung, brüskierte Partner, Absagen Prominenter: Der Dresdner Semperopernball 2020 ist in aller Munde, aber ganz anders als gedacht. Die Macher, ein privater Verein um den umtriebigen Kulturmanager Hans-Joachim Frey, bemühen sich seit Tagen um Schadensbegrenzung.

Die Preisverleihung im Vorfeld an Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi, der gegen Kritiker und Oppositionelle hart vorgeht, überschattet die 15. Auflage am Freitag (7. Februar). Nun zieht Frey die Notbremse, um das Ballprogramm zu retten.

Mit der Übergabe des St.-Georgs-Ordens trotz vielfacher Kritik vor anderthalb Wochen in Kairo hat Frey den Bogen überspannt, Partner und Akteure der Ballnacht in die Bredouille gebracht und den Event zum Politikum gemacht. Während Zuschauerraum und Bühne von Dresdens berühmtem Opernhaus zum Ballsaal und die Ränge zu Logen umgebaut werden, sind die Macher mit der Schadensbegrenzung beschäftigt.

Noch nach der Rückkehr vom Nil hat Frey die Auszeichnung trotzig verteidigt, der Verein habe damit „Kulturbrücken bauen“ wollen. Kurz vor dem Kultur-Event aber musste er sich dem anhaltenden Druck beugen: Al-Sisi wird der Orden wieder aberkannt - nach neun Tagen. Dem voraus ging am Dienstag ein Treffen mit Rocksänger Peter Maffay, dem die Entschuldigung des Ballvereins nicht reichte.

Es war nicht der erste Eklat mit dem undotierten Ballorden, einer Nachbildung des barocken Anhängers mit dem Heiligen Georg als Drachentöter aus dem Dresdner Grünen Gewölbe. Schon 2009 hatte Frey mit der Auswahl des russischen Präsidenten Wladimir Putin für Misstöne gesorgt. Sachsens damaliger Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hielt die Laudatio auf den Kreml-Chef, der kurz zuvor Europa den Gashahn zugedreht hatte.

Frey, der die bis 1939 gepflegte Balltradition in Dresden als Direktor an der Sächsischen Staatsoper 2006 wiederbelebte, sah den Ball in internationalen Sphären angelangt. Ziel seines SemperOpernball-Vereins: mehr Internationalität und Glamour wie Wien. Ein Orden garantierte Promis im Musentempel. Das kommt nun auf den Prüfstand, auch Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) will mit Blick auf die Zukunft des gesellschaftlich wichtigen Ereignisses für Dresden und Sachsen eine Aufarbeitung.

Obwohl Al-Sisi nicht in der Semperoper tanzen sollte, war der öffentliche Druck diesmal größer. Der Semperoper-Intendant erklärte seine ausdrückliche Missbilligung und betonte, dass das Haus „als führende Kulturinstitution stets Stellung für Frieden, Toleranz und Menschenrechte bezieht“, der Oberbürgermeister prüfte kritisch seine Ballteilnahme, auch Medienpartner distanzierten sich, Moderator und Schlagersänger Roland Kaiser gar „mit allergrößtem Nachdruck“. Die Vergabe des Ballordens an Al-Sisi „widerspricht allem, wofür ich als Künstler und als Mensch stehe“, schrieb er auf Facebook.

„Tagesschau“-Sprecherin Judith Rakers zeigte sich wie Kaiser „irritiert“ und löste ihren Vertrag als Co-Moderatorin; auch Stadt, Oper und MDR kündigten mit Blick auf die Zukunft Konsequenzen an. Frey streute Asche auf sein Haupt: „Die Verleihung war ein Fehler.“ Die „Irritationen“ würden von Herzen bedauert, man wolle über das Selbstverständnis als Kulturbotschafter nachdenken. Um nur ein paar Zeilen weiter wieder wie üblich zu schwärmen von „einem wunderbaren Fest“ und „einmaligen Ballerlebnis“ - als wäre nichts gewesen.

Die Wogen aber glätteten dennoch nicht. Auch Mareile Höppner, die aus dem Hut gezauberte neue Dame für den Abend an der Seite von Kaiser, machte einen Rückzieher, weil sie nach eigenen Angaben angefeindet und bedroht wurde. Konkret wurden weder sie, MDR noch Ballverein. Die Absagen von SAP-Gründer Dietmar Hopp als Preisträger und Fußballmanager Uli Hoeneß als Laudator läuteten das Ende für den St.-Georgs-Orden ein - zumindest für die Jubiläumsausgabe.

„Ein Ball ohne Preis würde der rauschenden Nacht keinen Abbruch tun“, sagt Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). Er hält die Vergabe für „inflationär“ und verweist auf viele Dresdner Preise „mit großem Renommee und Außenwirkung“ wie den internationalen Friedenspreis oder den Erich-Kästner-Preis.

Nach wiederholter Kritik hatten die Veranstalter das Prozedere für diesen Ball gestrafft und das Catering vorverlegt. Nun bleibt den bis zu 2500 Gästen im Saal der Ordens-„Marathon“ erspart. Wie das Programm unter dem Motto „Märchenhaft rauschend - Dresden jubiliert“ nun konkret aussieht, ist unklar. Beim SemperOpenairball vor dem Opernhaus mit „märchenhafter Show“, zu dem Tausende erwartet werden, hat Amnesty International eine Mahnwache angekündigt.

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