Velen

Windbauern in Nordvelen: Werden die Anlagen größer?

Als in Nordvelen die ersten Windräder gebaut wurden, gab es für das Vorhaben viel Gegenwind. Die Räder haben seitdem viel Strom erzeugt, doch nun gehören sie zu den älteren Modellen. Wie soll es mit ihnen weitergehen? Werden sie durch größere Anlagen ersetzt? Wir haben mit den Gesellschaftern und Politikern gesprochen.

Von Lars Johann-Krone

27.08.2020

Symbolbild: Diese Windkraftanlagen stehen in Hochmoor. Wenn in Velen neue gebaut werden sollten, könnten sie genauso groß werden.

Symbolbild: Diese Windkraftanlagen stehen in Hochmoor. Wenn in Velen neue gebaut werden sollten, könnten sie genauso groß werden.

© Lars Johann-Krone

Förderung alter Anlagen läuft bald aus / Gesellschafter warten auf Signal aus der Politik

VELEN. Jede Menge Wind, darauf haben die Gesellschafter der Nordvelen Wind GmbH gehofft, als sie zu Beginn des Jahrtausends ihr Projekt ins Leben riefen. Zwei ihrer Windräder stehen seitdem in Nordvelen. Dass es damals so viel Gegenwind aus Bevölkerung und Verwaltung geben würde, das überraschte die Windbauern allerdings. Mittlerweile ist Gras über die Sache gewachsen, und die Räder haben seitdem jede Menge Strom produziert. Allerdings müssen sich die Betreiber bald Gedanken machen, wie es mit ihren Windmühlen weitergeht. In ein paar Jahren läuft die Förderung aus, die die Maschinen profitabel macht.

„Banken haben uns nicht gerne Geld gegeben.“

Heinrich Potthoff und Bernhard Müter sind die Geschäftsführer der Gesellschaft. „Es stand damals nicht nur der Profit im Vordergrund, sondern auch der Wunsch, etwas für den Umweltschutz zu tun“, sagt Müter rückblickend. Finanziell sei es dennoch ein sehr großes Projekt gewesen. Rund vier Millionen Euro habe man in beide Räder investiert, berichtet Müter von Herausforderungen. „Zudem sind die Zinsen für die Kredite höher als heute gewesen, und die Banken haben uns aufgrund des Gegenwinds in Velen auch nicht so gerne Geld gegeben.“

Hickhack gab es damals, weil die westliche Anlage nicht an der Stelle stand, an der sie zugelassen gewesen wäre. Günther Kremer, damals Mitglied der CDU-Fraktion im Rat erinnert sich daran: „Auch die Politik ist damals vielleicht etwas unbedarft an die Sache herangegangen. Die Anlage wurde damals gegen eine jährliche Zahlung an die Stadt an der Stelle geduldet“, so Kremer.

Heinrich Potthoff sagt, dass er ein solches Projekt durchaus nochmal anpacken würde. „Heute würde ich aber vielleicht einen Planer wie die Bäuerliche Bürgerwind Beratungsgesellschaft mit ins Boot holen“, erklärt er. „Denn Profit im eigenen Land wird nicht immer gerne gesehen. Dann kommt schnell Neid auf. Ich denke, mit einer Beraterfirma wäre das Ganze etwas friedlicher abgelaufen.“

Wie hoch ist die Einspeisevergütung?

Rückblickend sagen Potthoff und Müter allerdings auch, dass es richtig gewesen sei, die Windräder zu bauen. „Die Gesellschafter sind zufrieden. Wir zahlen das, was versprochen war“, so Müter. Für das eingelegte Kapital bekämen die Gesellschafter mehr zurück, als bei vielen anderen Projekten, so Potthoff. „Bei anderen investiert zum Beispiel ein Zahnarzt aus München, um weniger Steuern bezahlen zu müssen. Ob die Windanlage profitabel läuft, ist dem egal. Bei uns investieren jedoch Menschen, die vor Ort leben.“

Für die beiden Windräder der Nordvelen Wind läuft in den nächsten drei Jahren allerdings die Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz aus. 8,9 beziehungsweise 8,8 Cent pro Kilowattstunde beträgt die Einspeisevergütung für die Windbauern aktuell noch.

„Das ist eine politische Sache. Wir warten noch ab, ob es eine Regelung für die älteren Anlagen gibt, sodass die weiter betrieben werden können“, sagt Müter. Schön wäre, wenn man noch einen Festpreis von fünf oder sechs Cent bekommen könnte, ergänzt Potthoff. An der Strombörse erhalten Anlagenbetreiber, deren Mühlen aus der Förderung gefallen sind, allerdings deutlich weniger. „Wenn hier in der Region aufgrund der auslaufenden Förderung rund 50 Windräder vom Netz gehen, würde fast der Strom eines Atomkraftwerks wegfallen“, erläutert Potthoff.

Ist Repowering in Velen möglich?

Was mit ihren Windrädern nach Ende der Förderung passiert, werden Müter und Potthoff mit den Gesellschaftern besprechen. „Repowering“ ist allerdings ein Stichwort, das immer wieder fällt, wenn es um den Betrieb alter Anlagen geht. Allerdings kommt dann die 100 Meter Höhenbegrenzung für Windräder in Velen wieder ins Spiel. „In dem Fall müssten wir von 130 Metern auf 100 Meter runter. Das ist ein K.o.-Kriterium. Das ist nicht profitabel“, so Potthoff. Und selbst wenn man die Anlagen vergrößern dürfe, bliebe das Problem mit den Abständen. „Die Wohnbebauung ist hier relativ dicht“, erklärt Müter. Könnten die Anlagen auf 200 Meter Höhe wachsen, müsste der Abstand zum nächsten Haus ja 600 Meter betragen.

Der Abbau und Verkauf der Anlagen ist eine weitere Option. „Der Rückbau ist eine kostspielige Sache, für den wir sogar schon Geld zurückgelegt haben. Es wäre aber eine Beseitigung von Ressourcen und Kapital sondergleichen. Denn die Kabel liegen, die Übergabestation steht“, sagt Müter. „Und es wäre schade, weil die Anlagen technisch intakt sind“, fügt Potthoff hinzu.

Blick auf Räder bei Waldvelen

„Wir warten mal ab, was in der Politik jetzt noch läuft. Aber ich denke, so kurz vor der Kommunalwahl will keiner in Velen das Thema Windkraft anschneiden“, sagt Potthoff. Die beiden Geschäftsführer werden allerdings genau beobachten, wie die Politik im Fall der geplanten großen Windräder in Waldvelen agieren wird. Diese sollen weit über 200 Meter hoch in den Himmel ragen. „Wenn dort große Anlagen erlaubt werden, würden wir natürlich auch versuchen, eine neue Regelung für uns zu finden“, erläutert Potthoff.

Ein erstes Signal aus dem Rathaus gibt Bürgermeisterin Dagmar Jeske. „Wenn wir die Energiewende wollen, brauchen wir erneuerbare Energien. Daher müssten wir uns rechtzeitig mit den Vertretern von Nordvelen Wind an den Tisch setzen und die Interessen austauschen“, sagt Jeske.

Abmachung Einen mittleren fünfstelligen Betrag an Gewerbesteuer zahlt die Nordvelen Wind, berichten Bernhard Müter und Heinrich Potthoff, die beiden Geschäftsführer. Allerdings zahlt die Gesellschaft jährlich einen weiteren Betrag an die Kommune. Auf insgesamt 250.000 Euro belaufe sich diese Summe nach 20 Jahren. „Das ist eine Art Stillhalteabkommen gewesen“, sagt Müter. Es gab Streit um den Ort, an dem die westliche Anlage steht. Laut der Stadt leicht außerhalb der vereinbarten Windenergiezone. Die Kommune wollte die Genehmigung entziehen. Durch diesen vereinbarten Handel durfte das Rad letztlich stehenbleiben. Kommune und Windradbetreiber machten damals aus, dass die250.000 Euro für landschaftspflegerische Maßnahmen investiert würden. Noch ist dieses Geld nicht ausgegeben worden. „Wir warten, bis der Betrag komplett ist. Dann wollen wir etwas Essentielles damit umsetzen. Einige Ideen haben wir schon“, sagt Bürgermeisterin Dagmar Jeske.
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© Lars Johann-Krone

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