Reken

Bürgermeisterkandidat Bruno Hartling: „Ich habe richtig Bock drauf“

Bruno Hartling ist der Bürgermeisterkandidat der Rekener Grünen für die Kommunalwahl am 13. September. Im Interview mit BZ-Redakteur Tim Schulze erzählt er unter anderem, welche Themen er anpacken möchte, um die Gemeinde Reken weiterzuentwickeln und wie er seine Chancen auf den Wahlsieg einschätzt.

Von Tim Schulze

14.08.2020

Bruno Hartling tritt als Bürgermeister-Kandidat für die Rekener Grünen bei der Kommunalwahl am 13. September an.

Bruno Hartling tritt als Bürgermeister-Kandidat für die Rekener Grünen bei der Kommunalwahl am 13. September an.

© Schulze

BZ-Interview

REKEN.BZ: Warum wollen Sie Bürgermeister in Reken werden?

Bruno Hartling: Politik hat mir immer viel Spaß gemacht, auch und gerade in der Opposition. Ich bin seit zwölf Jahren Ratsmitglied und sehe meine Kandidatur als Verlängerung meiner politischen Karriere. Ich möchte an der Gestaltung in Reken teilhaben und trage gern Verantwortung. Es geht mir nicht ums Geld. Ich habe einfach richtig Bock drauf.

BZ: Welche Themen müssen angepackt werden, um Reken in den nächsten Jahren weiterzuentwickeln?

Hartling: Zum Beispiel die Zusammenarbeit in der Politik. Dort dürfen wir uns nicht mehr in Querelen verlieren. Wenn alle immer an einem Strang ziehen würden, wären wir heute schon weiter. Außerdem sollten im Rathaus mehr Frauen in entscheidenden Positionen arbeiten. Es gibt aktuell keine einzige Amtsleiterin. Das Kräfteverhältnis sollte da ausgeglichener sein. Ein anderes wichtiges Thema ist Bildung. Wir müssen dafür sorgen, dass alle Schüler, unabhängig davon, aus welchen Verhältnissen sie kommen, beim Lernen dieselben Voraussetzungen haben. Das betrifft insbesondere die digitale Ausstattung beim Unterricht auf Distanz.

BZ: Sie haben das Kernthema der Grünen, den Klimaschutz, ausgespart. Was würden Sie in diesem Bereich auf den Weg bringen?

Hartling: Wir sollten die Energie für alle Gebäude der Gemeinde selbst herstellen. Wir sollten Häuslebauer beraten, was energetisch sinnvoll ist. Außerdem muss mehr Aufklärung betrieben werden. Es gibt so viele Möglichkeiten, wie wir den Energie- und Wasserverbrauch senken können, wenn jeder Einzelne mitmacht. Darunter sind viele Dinge, die wirksam sind und keine Kosten verursachen.

BZ: Sie kommen aus der freien Wirtschaft. Fehlt Ihnen die Kompetenz in der Verwaltungsarbeit?

Hartling: Nein, denn in der Verwaltung arbeiten schon so viele gut geschulte Fachleute. Die brauchen nicht noch einen. Ich denke, ich könnte mich auf deren Ratschläge verlassen. Außerdem schaffe ich es als Unternehmer, erfolgreich mit dem Geld zu haushalten. Dann gelingt es mir auch mit den Gemeindefinanzen. Mir geht es auch nicht um die Parole ‚Wir sind schuldenfrei‘. Entscheidend ist, wie das Geld eingesetzt wird. Und da gibt es noch Stellschrauben, an denen man drehen kann. Zum Beispiel gibt es keinen Integrationsbeauftragten.

BZ: Wie stehen Ihre Chancen auf einen Wahlsieg?

Hartling: Gut natürlich. Ich sehe für mich eine große Chance, weil ich diejenigen mit kommerziellen Interessen und diejenigen, die sich für Natur-, Umwelt- und Artenschutz engagieren, zusammenbringen kann.

BZ: Auf Bundesebene sind die Grünen stark wie nie. Erhoffen sie sich dadurch Rückenwind?

Hartling: Klar, ich gehe davon aus, dass der Bundestrend auch in Reken durchschlägt. Ich glaube auch, dass die Menschen diesen Umschwung wollen. Dass sie etwas Neues wollen, was in eine ganz andere Richtung geht und eindeutig zukunftsgerichtet ist.

BZ: Haben sie die Sorge, dass Herr Sprenger von der SPD und Sie sich gegenseitig Stimmen wegnehmen könnten?

Hartling: Nein, ganz im Gegenteil. Ich bin sogar der Überzeugung, dass nur wenn eine Person nicht Herrn Deitert wählen möchte, diese dann nicht zwingend mich wählt. Wichtig ist, dass die Wähler eine Wahl haben unter drei Kandidaten. Ich hätte lieber gehabt, es wären fünf angetreten.

BZ: Was wollen Sie anders machen als Amtsinhaber Manuel Deitert?

Hartling: Zum Beispiel den Umgang mit den Bürgern. Ich fand es interessant, dass er jetzt kurz vor der Wahl mit den Bürgermeistersprechstunden to go angefangen hat. Bei mir ist jeden Tag Bürgersprechstunde. Klar muss es die Erfordernis geben. Aber ich muss jeden Tag ein Ohr dafür haben, wenn ein Bürger Probleme hat. Dafür kann man auch mal zu der Person hinfahren.

Außerdem möchte ich dafür sorgen, dass es im Rathaus ein besseres Miteinander gibt. Wir haben in den vergangenen Jahren mitbekommen, dass es in der Verwaltung eine recht hohe Fluktuation gibt und auch dass einige Gemeindemitarbeiter nicht so zufrieden sind.

BZ: Im Rekener Grünen-Ortsverband sind Sie nicht gänzlich unumstritten, wie die Aufstellungsversammlung gezeigt hat. Können Sie Fraktion und Ortsverband einen?

Hartling: Ich habe keine Schwierigkeiten mit dem Ortsverband, sondern nur mit zwei Einzelpersonen und zwar schon so lange, wie ich bei den Grünen bin. Das finde ich aber auch gar nicht schlimm, weil es das politische Geschäft belebt. Ich will ohnehin nicht Everybody‘s Darling sein, auch nicht bei den Grünen. Wir haben ein super Team für den Wahlkampf. Alle ziehen mit.

BZ: Was machen Sie am liebsten in Ihrer Freizeit?

Hartling: Ich koche und verreise sehr gern. Am liebsten mache ich Camping-Urlaub. Außerdem verbringe ich gerne viel Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden.

BZ: Was haben Sie während des Corona-Lockdowns am meisten vermisst?

Hartling: Auf jeden Fall den menschlichen Kontakt. Meine Frau und ich arbeiten viele Stunden am Tag. Da hat es gefehlt, sich am Wochenende mit den Freunden zu treffen. Vermisst habe ich auch meine Schwiegermutter, mit der wir normalerweise viel Zeit verbringen und jeden Freitag gemeinsam essen. Das ging in der Zeit natürlich nicht.

Zur Person Bruno Hartling Bruno Hartling ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und lebt im Ortsteil Bahnhof Reken. Seit dem Jahr 2004 ist er Mitglied im Rekener Ortsverband der Grünen. Seit 2008 sitzt er im Gemeinderat und ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Von 2009 bis 2014 war Hartling als sachkundiger Bürger im Umweltausschuss des Kreistages Borken aktiv. Aufgewachsen ist der 58-Jährige in Dorsten-Lembeck; in Klein Reken besuchte er die Grundschule, danach die Elisabeth-von-Thüringen-Realschule. Hartling ist seit 20 Jahren selbstständig und führt ein Unternehmen, das auf das Recycling von Müllbehältern spezialisiert ist.
Bürgermeisterkandidat Bruno Hartling: „Ich habe richtig Bock drauf“

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