Kreis Borken

Totschlag in Gescher: Neue Ermittlungsdetails

Es gibt neue Ermittlungsdetails zum Totschlag in Gescher. Und für die Kinder der Getöteten (35) wurde eine Spendenaktion ins Leben gerufen.

Von Till Goreke

19.01.2024

Eine Hundertschaft der Polizei entdeckte den Leichnam der vermissten Frau (35) am 9. Januar in einem Waldstück bei Gescher.

Eine Hundertschaft der Polizei entdeckte den Leichnam der vermissten Frau (35) am 9. Januar in einem Waldstück bei Gescher.

© Jürgen Schroer

Spendenaufruf für die Kinder

Vor gut einer Woche wurde es zu traurigen Gewissheit, was sich zuvor andeutete: Der Vermisstenfall aus Gescher wurde zum Tötungsdelikt. Die Leiche der Frau (35) wurde gefunden, ihr Ehemann verhaftet. Jetzt gibt es neue Ermittlungsdetails und ein Spendenaufruf für die Kinder des Ehepaares.

Die Staatsanwaltschaft geht nach wie vor von einem „Totschlag“ aus, wie jetzt eine Anfrage ergibt. Der dringend tatverdächtige Ehemann leugne weiterhin die Tat. Er sitzt seit dem 9. Januar in Untersuchungshaft. Um die Kinder (7/12/16) des Ehepaares kümmert sich das Jugendamt inklusive Vormund, also der rechtlichen Fürsorge.

Handy im Fokus

Schnell geriet der Ehemann der Getöteten in den Fokus der Ermittler. Und dennoch „spielte“ er nach Angaben verschiedener Medien bis zum Auffinden des Leichnames seiner Frau den besorgten Ehegatten. Dass die Ermittler die in einen blauen Plastiksack gewickelte Leiche der Frau in einem Wald in Tungerloh-Capellen fanden, resultierte aus Funkzellenauswertungen.

Auf Nachfrage gibt die Staatsanwaltschaft Münster jetzt auch dazu Details bekannt. Bei der Auswertung handelte es sich um die Bewegungsdaten des Handys vom Ehemann. Sprich: In welche Funkzellen wählte sich sein Handy nach dem Verschwinden seiner Frau ein und für wie lange?

Anderes als in TV-Krimis sei eine derartige Auswertung mit viel Arbeit verbunden, bei der viele Details beachtet werden müssten, erklärt Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt. Dafür aber war das Ergebnis am Ende eindeutig.

Den Handydaten nach hielt sich der Ehemann Ende Dezember – den exakten Tag und die genaue Uhrzeit kommuniziert die Staatsanwaltschaft nicht – im Bereich des besagten Waldstücks in Tungerloh-Capellen auf. Und das nicht nur für ein paar Minuten, sondern über einen „deutlich längeren Zeitraum“.

Komprimierte Gewalt

„So rückte dann dieses Waldstück in den Blick“, erklärt der Oberstaatsanwalt. In den Blick für die Suche nach dem Leichnam, da die Ermittler zu diesem Zeitpunkt bereits von einem Tötungsdelikt ausgingen. Vorherige Suchaktionen mit Spürhunden, Hubschrauber und unter Hilfe der DLRG Ortsgruppe Ahaus im Wohnumfeld der Familie waren ergebnislos verlaufen.Eine Hundertschaft der Polizei entdeckte dann dort auch am 9. Januar den Leichnam der Frau. Sie ist „an einer komprimierten Gewaltanwendung gegen den Hals“ gestorben. Offen bleibt nach wie vor, ob durch Erdrosseln (mit einem Tatwerkzeug) oder durch Erwürgen (mit den Händen).

Für die Kinder dieser Familientragödie hat die ehemalige Arbeitgeberin der Getöteten – sie half in einer örtlichen Pizzeria aus – eine Spendenkampagne auf der Internetplattform „gofundme“ ins Leben gerufen.

Über 18.000 Euro sind bereits nach gut 24 Stunden zusammenkommen. Knapp 600 Personen haben bereits gespendet, um den drei Kindern zu helfen. Die Spendenaktion soll auch vom Jugendamt begleitet, also das Geld zielgerichtet eingesetzt werden. Doch wofür?

Beschleunigtes Verfahren

Auf der Plattform heißt es von der Initiatorin: „Diesen Schmerz (den Verlust der Mutter – d. Red.) können wir den Kindern nicht abnehmen, aber ich bitte um eine Spende für die Zukunft der Kinder. Dass wir sie wenigstens in ihrer gewohnten Umgebung, bei ihren Hobbys und bei den Beerdigungskosten unterstützen können.“

Und wie geht es mit dem tatverdächtigen Ehemann und Vater der Kinder weiter? Durch die U-Haft wird das Ganze im beschleunigten Verfahren durch die Staatsanwaltschaft behandelt. „Wir wollen die Ermittlungen schnell zum Abschluss bringen“, betont der Oberstaatsanwalt.

Bei Tötungsdelikten versuche die Staatsanwaltschaft dies spätestens drei Monate nach Beginn der U-Haft gegen einen Tatverdächtigen zu erreichen. Dann folgt die Anklageerhebung. Nach Zulassung der Anklage durch das Landgericht Münster könnte im April oder Mai der Prozess beginnen.

Totschlag in Gescher: Neue Ermittlungsdetails

© Jürgen Schroer

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