Kreis Borken

Stadt Bocholt sucht nach einem neuen Architekten fürs Rathaus

Im Sommer des vergangenen Jahres hatte Paul Böhm vor einer „Katastrophe“ gewarnt. Der Architekt der Bocholter Rathaussanierung befand sich zu diesem Zeitpunkt schon in einem heftigen Streit mit der Stadtverwaltung.

Von Stefan Prinz

02.04.2024

Das Ende der Sanierungsarbeiten am Bocholter Rathaus ist noch nicht absehbar.

Das Ende der Sanierungsarbeiten am Bocholter Rathaus ist noch nicht absehbar.

© Sven Betz

In der Woche nach Ostern will die Stadtverwaltung die Ausschreibung veröffentlichen

Kern des Streits war die Geschwindigkeit der Fertigstellung der Dauer-Baustelle am Berliner Platz. Die Stadtspitze um Bürgermeister Thomas Kerkhoff (CDU) bestand darauf, dass die Arbeiten an dem Rathaus noch im Jahr 2025 abgeschlossen werden. Böhm hingegen machte deutlich, dass eine Fertigstellung nicht vor 2027 möglich sei. Der Kölner Architekt warnte: Kommt es zu einem Architektenwechsel, dann werde das Rathaus möglicherweise erst 2030 fertig. Es kam zur Trennung.

Viel passiert ist seither nicht. Aber es ist Zeit vergangen. Und Stadtbaurat Daniel Zöhler hat angekündigt, seine Arbeit in der Bocholter Stadtverwaltung nach Ablauf seiner Amtsperiode im Jahr 2025 nicht fortsetzen zu wollen.

Welcher Architekt das Rathaus zu Ende sanieren soll, ist eine der dringendsten Fragen der vergangenen Monate. Jetzt endlich soll sie beantwortet werden – neun Monate nach der Warnung von Paul Böhm. Auf BBV-Nachfrage heißt es aus dem Rathaus, dass in der Woche nach Ostern die Ausschreibung für ein neues Architekturbüro veröffentlicht werden soll.

Und warum so spät?

Die Antwort von Stadtsprecher Nikolaus Kellermann: „Für die Ausschreibung für ein neues Architekturbüro gilt das Prinzip Gründlichkeit vor Schnelligkeit – das zeigt nicht zuletzt auch die Erfahrung mit früheren Vertragsprozessen in Zusammenhang mit der Rathaussanierung am Berliner Platz.“ Zur Vorbereitung einer Ausschreibung dieser Komplexität gehört auch „eine sorgfältige Prüfung aller Verfahrensschritte“.

Daran hätten die zuständigen Fachbereiche innerhalb der Verwaltung „in den vergangenen Wochen intensiv gearbeitet“, so Kellermann.

Teure Trennung

Die Trennung von Paul Böhm war für die Stadt teuer: beide Parteien hatten sich darauf verständigt, dass die Stadt Bocholt alle bis dahin offenen Forderungen für die bisher erbrachten und abgenommenen Leistungen bezahlt. Darüber hinaus soll das Kölner Architekturbüro „eine angemessene Entschädigung für entgangene Vertragsansprüche“ erhalten, so Böhm. Diese soll nach BBV-Informationen weitere 400.000 Euro betragen.

Außerdem: Das Architekturbüro soll aber auch weiterhin an der Sanierung mitwirken – allerdings künftig nur noch in beratender Funktion.

Nach Informationen unserer Zeitung soll Paul Böhm dafür 125.000 Euro Beraterhonorar erhalten. Das scheint auch deshalb ein wichtiger Punkt der Einigung zu sein, weil das sogenannte Urheberrecht weiterhin beim Architekturbüro verbleibt. Das bedeutet, dass wesentliche Änderungen am Rathaus immer auch die Zustimmung von Böhm erforderlich machen. Hintergrund: Der Vater von Paul Böhm, Gottfried Böhm, hat das Bocholter Rathaus vor rund einem halben Jahrhundert entworfen. Das Urheberrecht ist deshalb auf seine Erben übergegangen. Das bedeutet: Ohne deren Zustimmung darf der Rathausbau nicht verändert werden.

Die geschätzten Kosten für die Rathaussanierung liegen bei mehr als 80 Millionen Euro – ein Vielfaches des ursprünglichen Betrages.

Stadt Bocholt sucht nach einem neuen Architekten fürs Rathaus

© Sven Betz

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