Hanf-Erzeuger aus Rhede wollen eigenes Bier herstellen
Die Hanf-Erzeuger-Gemeinschaft (HEG) aus Rhede will mit ihrer neuen Ernte auch neue Produkte einführen. Neben Bier soll auch Öl für Tierfutter ins Repertoire aufgenommen werden. Der Anbau von Cannabis ist derzeit jedoch kein Thema für die Gemeinschaft.
Bald steht die Aussaat der Hanfsamen an, die aus Frankreich importiert werden. Aus der Menge der Samen im Sack, den Michael Garbert (rechts) trägt, können später bis zu 500Kilo Hanfprodukte gewonnen werden. Wilhelm Teklote zeigt einige von ihnen: Öl, Samen und Senf.
© Claudia Feld
RHEDE. Neue Produkte aufnehmen und sich in der Vermarktung strahlenförmig weiter ausbreiten – so lassen sich die Pläne der Rheder Hanf-Erzeuger-Gemeinschaft (HEG) grob zusammenfassen. Im Herbst 2022 ist die HEG mit ersten Produkten an den Start gegangen, mittlerweile würden sie gefragt, wann es Neuheiten gibt, erzählen Wilhelm Teklote und Michael Garbert von der Gemeinschaft.
Während der ersten Verkaufs- und Informationsaktionen habe die Gruppe viel Aufklärungsarbeit geleistet, erzählt Teklote. Mittlerweile wüssten die Rheder, was es mit dem Nutzhanf und den daraus gewonnenen Produkten auf sich habe. „Wenn wir jetzt woanders Stände aufbauen, müssen wir in der Hinsicht wieder bei Null anfangen“, berichtet Garbert.
Die Rheder seien da schon weiter und fragten bei Veranstaltungen wie dem Maien- oder Klumpensonntag schon nach neuen Produkten. Angefangen haben die sechs Betriebe der Hanf-Erzeuger-Gemeinschaft mit Hanfsamen. Mittlerweile gibt es die auch geschält zu kaufen, das sei bekömmlicher und werde oft nachgefragt, berichtet Wilhelm Teklote.
Käse ist der Renner
Salami und Bratwurst mit Hanf folgten kurz darauf. „Wir haben dann gedacht, wenn das mit Salami klappt, klappt das auch mit Käse. Das ist auch ein Renner“, erzählt Teklote. Aus dieser Kombination folgte dann das nächste Produkt: süßer Hanfsenf mit Erdbeeren. „Das ist das einzige Produkt, das nicht aus der Region kommt“, erklärt Teklote. Denn in der Nähe habe es keine passende Senfmühle gegeben, die alle Anforderungen der Rheder erfüllte. Mittlerweile gibt es auch Hanfsamenkissen, die vom Integrationsbetrieb Herbalind hergestellt werden.
Und die nächsten Produktideen warten schon darauf, umgesetzt zu werden. „Wir wollen ein Öl für Heim- und Haustiere anbieten“, kündigt Teklote an. Das werde unter das Futter gemischt und sei gut für ein glänzendes Fell und helfe den Vierbeinern bei der Verdauung. Auch für Herrchen und Frauchen plant die Hanf-Erzeuger-Gemeinschaft etwas Neues: In Zusammenarbeit mit Klaus Passerschröer wird an der Entwicklung eines Hanfbieres gearbeitet. Das wird es allerdings frühestens im Herbst geben, schränken Teklote und Garbert ein.
Verhandlungen mit Borkener Supermarkt
Die Anbaufläche für den Nutzhanf bleibt übrigens erstmal gleich, nur die Vermarktung soll in einem weiteren Umkreis stattfinden. Die HEG führt beispielsweise Verhandlungen mit einem Supermarkt in Borken, um ihre Produkte dort anbieten zu können. Im vergangenen Jahr hat die HEG 30 Hektar geerntet, pro Hektar kommen rund 1,2 Tonnen Ernte heraus.
Und was ist mit der gerade anstehenden Legalisierung von Cannabis? „Ad hoc ist da nichts geplant“, sagt Wilhelm Teklote. Die Produkte der HEG werden weiterhin aus Nutzhanf gewonnen und verfügen nicht über den Wirkstoff THC. Es sei zwar nicht ausgeschlossen, irgendwann mit in den Markt einzusteigen, aber derzeit gebe es dafür keine Konzepte, und die werden von den Rhedern auch nicht erstellt, sagt Michael Garbert.
Für den Anbau von Cannabis mit Wirkstoffgehalt gelten strenge Sicherheitsvorschriften, das könnte die HEG derzeit nicht leisten. Die Gemeinschaft besteht aus sechs Betrieben, die zusammen auf 15 bis 20 Personen kommen, die mithelfen. In Produktionszeiten werde jede Hand gebraucht, da sei derzeit auch so genug zu tun, sagt Teklote.

© Claudia Feld