Die Wirtschaft im Kreis Borken: Industrie legt zu, Bau schwächelt
Die Wirtschaft im Kreis Borken startet mit gemischten Gefühlen ins Jahr 2026. Trotz globaler wirtschaftlicher Herausforderungen und steigender Kosten zeigt sich die Region widerstandsfähig. Vertreter von Wirtschaftsförderung, IHK Nord Westfalen und Kreishandwerkerschaft betonen die Stärke lokaler Unternehmen und weisen auf geplante Investitionen hin.
Besonders im Baugewerbe sei die Lage angespannt. Es werden deutlich weniger neue Häuser gebaut. Das macht sich bei einigen Handwerksbetrieben in den Auftragsbüchern bemerkbar.
© Sven Kauffelt
KREIS BORKEN. Die Wirtschaft im Kreis Borken ist mit gemischten Gefühlen ins Jahr 2026 gestartet. Ganz rund läuft es nicht – aber im Vergleich zu vielen anderen Regionen steht das Westmünsterland noch ordentlich da. So beschreiben es Vertreter der Wirtschaftsförderung, der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen und der Kreishandwerkerschaft des Kreises Borken.
Dr. Daniel Schultewolter von der Wirtschaftsförderung sagte, die Weltwirtschaft habe sich von der Corona-Zeit nicht richtig erholt. Auch Deutschland komme seit 2022 kaum vom Fleck. „Wir stellen seit 2020 eine Entkopplung deutscher Exporte von der Weltnachfrage fest. Es bedarf deshalb gewaltiger Anstrengungen, die Wachstumsdynamik wieder auf das Niveau vor Corona zu steigern“, sagte Schultewolter. Für viele Betriebe seien die Bedingungen schwierig. Energie, Material und Personal kosten mehr als früher. Dazu kämen internationale Konflikte und viele Vorgaben. Im Kreis Borken seien viele Unternehmen aber weiterhin gut aufgestellt. Einige planten auch Investitionen am Standort.
Dr. Fabian Schleithoff von der IHK sprach ebenfalls von einer schwierigen Lage in Deutschland. Vor allem Industriebetriebe litten noch immer unter hohen Energiepreisen. Diese seien seit dem russischen Angriff auf die Ukraine stark gestiegen und lägen weiter deutlich über dem früheren Niveau.
Kreis Borken besser als Bundesdurchschnitt
Für den Kreis Borken gibt es aber auch positive Signale: Die Industrie hat 2025 mehr Umsatz gemacht als 2024. Damit steht der Kreis besser da als manch andere Region und auch besser als der Bundesdurchschnitt. „Wir sehen, dass die Unternehmen im Kreis Borken nach wie vor ihre Produkte ins Ausland exportieren können“, sagte Schleithoff. Wichtig sei dabei die Nähe zu den Niederlanden.
Auch das Handwerk steht im Kreis Borken insgesamt stabil da, erklärte Thomas Kerkhoff von der Kreishandwerkerschaft. Doch auch hier seien die Kosten für Löhne und Energie gestiegen. Manche Betriebe hätten zudem Probleme, Nachwuchs zu finden.
„Der Kreis Borken ist in vielen Zukunfts- und Schlüsseltechnologien in einer guten Ausgangsposition.“
Thomas Kerkhoff
Besonders im Baugewerbe sei die Lage angespannt. Es werden deutlich weniger neue Häuser gebaut. Das macht sich bei einigen Handwerksbetrieben in den Auftragsbüchern bemerkbar. Trotzdem sieht Kerkhoff Chancen für die Region: „Der Kreis Borken ist in vielen Zukunfts- und Schlüsseltechnologien in einer guten Ausgangsposition. Die Transformation der Wirtschaft benötigt industrielle Innovationen und Lösungen aus Branchen, in denen wir stark sind.“
Thomas Kerkhoff
© Sven Betz
Michael Weitzell von der Kreisverwaltung betonte, dass Kreis und Städte seit Jahren daran arbeiteten, gute Bedingungen für Unternehmen zu schaffen. Dazu gehörten unter anderem der Ausbau von schnellem Internet und Mobilfunk sowie Investitionen in Straßen und Wege.