Raesfeld

Trauer um Dr. Elisabeth Schwane

Dr. Elisabeth Schwane ist im Alter von 97 Jahren gestorben. Die ehemalige Gymnasiallehrerin hat als Zeitzeugin des Nationalsozialismus und des Krieges in Schulen berichtet. Sie hat den Erler Heimatverein mitgegründet.

Von Borkener Zeitung

03.04.2018

Dr. Elisabeth Schwane ist im Alter von 97 Jahren gestorben.

Dr. Elisabeth Schwane ist im Alter von 97 Jahren gestorben.

© Rentel

Zeitzeugin und Heimatforscherin aus Erle gestorben

ERLE Dr. Elisabeth Schwane ist tot. Am Karfreitag starb sie im Alter von 97 Jahren als älteste Bürgerin Erles. Der Heimatverein Erle würdigt die ehemalige Gymnasiallehrerin für Deutsch, Englisch und Geschichte als bekannte Erler Persönlichkeit mit einem Nachruf.

1939 legte sie am St.-Ursula-Gymnasium in Dorsten das Abitur ab. In der Nazizeit machte sie prägende Erfahrungen. Dem Nationalsozialismus habe sie ablehnend gegenüber gestanden. Sie musste sich vor einem NS-Parteigericht wegen ihrer Aussage „die Nazis haben doch gar keine Kultur“ verantworten. Dem Vorhaben, in Erle eine Gruppe des „Bunds deutscher Mädel“, eine NS-Jugendorganisation, aufzubauen, habe sie sich entzogen, indem sie ins Internat der Ursulinen zog. Im Krieg war sie auch in Königsberg und in Polen als Deutschlehrerin für deutsche Umsiedler tätig. Das Elend im jüdischen Ghetto in Lodz sah sie mit eigenen Augen. Sie berichtete als Zeitzeugin in Schulen und vermittelte mit ihren anschaulichen Erzählungen Geschichte „aus erster Hand“.

Nach ihrer Laufbahn als Lehrerin nach Erle zurückgekehrt

Nach ihrer Laufbahn als Lehrerin an einem Dortmunder Gymnasium kehrte sie nach Erle zurück. Sie gründete den Heimatverein Erle mit und war als Schriftführerin vier Jahre im Vorstand. Ihr besonderes Interesse galt der Pflege der plattdeutschen Sprache sowie der Lokalgeschichte und Brauchtumspflege. Von ihr in Erler Platt verfasste Texte wurden auf Heimatabenden vorgetragen und sind unter anderem zu lesen in dem 2007 erschienenen Geschichtenbuch „Querbeet“. Die Plattdeutsch-AG mit Erler Schülern führte viele Märchen auf, die Schwane in Erler Platt übersetzt hatte. Sie wirkte bei der Herausgabe von Schriften des Vereins mit. Ganz überwiegend ihr Werk ist das Buch „Erle 1945“ über das Kriegsende, das sie miterlebte. Seit einigen Jahren war sie eine engagierte und unverzichtbare Mitarbeiterin in der Fotogruppe des Heimatvereins.

Die Erler schätzten Schwane als offenen, humorvollen und hilfsbereiten Menschen. Diesen Nachruf, vermutet der Heimatverein, würde sie in ihrer bescheidenen Art mit „to völle puchtet“ (übertrieben) kommentieren.

Trauer um Dr. Elisabeth Schwane

© Rentel

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