Raesfeld

Spaziergang zu Orten jüdischen Lebens in Raesfeld

Zur Erinnerung an die jüdischen Familien in Raesfeld hat der Heimatverein viele Informationen und Fotos zum jüdischen Leben in der Gemeinde zusammengetragen. Viele Orte im Ort, an denen Juden bis zur Shoa lebten, ihre Religion ausübten und begraben wurden, sind von Richard Beering auf der Internetseite des Vereins zu einem informativen Spaziergang verbunden worden.

Von Borkener Zeitung / Andreas Rentel

14.01.2022

Junge Sportler in den 1930er Jahren: Erich Rosenbaum, erster in der zweiten Reihe von rechts.

Junge Sportler in den 1930er Jahren: Erich Rosenbaum, erster in der zweiten Reihe von rechts.

© pd

Heimatverein Raesfeld erinnert an Familien

RAESFELD. Auf dieses neue Angebot weist der Verein in einer Mitteilung hin. So seien auch die Stolpersteine, das Denkmal an der St.-Martin-Kirche, die Mikwe am Platz der früheren Synagoge und der jüdische Friedhof zu finden. Der Künstler Gunter Demnig hat aufgrund einer privaten Initiative ab dem Jahr 2009 vor fünf Häusern in der Gemeinde 19 Stolpersteine verlegt, in denen jüdische Familien gelebt haben.

Bereits im Jahr 1971 habe Adalbert Friedrich, der langjährige Vorsitzende des Heimatvereins, ein Buch über die jüdische Gemeinde von Raesfeld veröffentlicht, welches Grundlage zu dem Spaziergang gewesen ist, teilt der Verein weiter mit.

Spaziergang per App oder im Browser

Um die Orte zu finden und die Informationen abzurufen, hat Richard Beering zudem einen Parcours für die App Biparcours erstellt. Dieser Weg wurde für Schüler konzipiert, sei aber auch für deren Eltern und Großeltern geeignet. Die Informationen sind auch im Browser auf der Internetseite des Heimatvereins einsehbar. Fast ein Jahr habe er an dem Projekt gearbeitet, sagt Beering. Habe Adalbert Friedrich sein Buch nach Familien sortiert, so habe er die Orte gewählt. Der Besuch einer Schulung habe ihm bei der Gestaltung geholfen.

Ausgangspunkt des Spaziergangs ist das Museum des Vereins in der Schlossfreiheit. Von dort geht es an den Plätzen vorbei, wo die Familien Nathan, Emanuel, Abraham und Max Rosenbaum, die Familien Nathan, Moses und Herz Elkan sowie die Familien Moses und Levi Schwarz ihre Wohnhäuser hatten.

Die Eheleute Rosenbaum auf dem Stenkamp.Heimatverein Raesfeld

Die Eheleute Rosenbaum auf dem Stenkamp.Heimatverein Raesfeld

© pd

Der Weg führt auch zur Pfarrkirche St. Martin, bei der auf Initiative des Heimatvereins im Juli 1987 an der Borkener Straße ein Gedenkstein für die Synagoge errichtet worden ist. Diese stand von 1863 bis 1938 dort. Hier sind die Namen von 36 jüdischen Bürgern verzeichnet, die von 1942 bis 1945 in den Konzentrationslagern umgekommen sind.

Gegenüber des Gedenksteines, an der Stelle des heutigen Ärztehauses, stand von 1863 bis 1938 die Synagoge der jüdischen Gemeinde in Raesfeld. Im Jahr 2004 wurde dort die Mikwe gefunden, die als weitere Gedenkstätte hinter dem Ärztehaus aufgestellt wurde. Eine Mikwe ist ein Tauchbad, dessen Wasser der Erlangung ritueller Reinheit durch Untertauchen dienen soll.

Letzte Station ist der jüdische Friedhof

Die letzte Station auf diesem Spaziergang ist der jüdische Friedhof. Die Heidefläche befindet sich im Brook, am Pölleken. Im Jahr 1940 wurden von Nationalsozialisten viele Grabsteine zerstört, elf Steine blieben bis heute erhalten. Der Friedhof werde im Auftrag der Gemeinde Raesfeld unterhalten und gepflegt, heißt es weiter. Eigentümer ist der Landesverband der jüdischen Gemeinden Westfalens.

Der Verein ist an einem Projekt des WDR beteiligt. Der Sender will die mit den Stolpersteinen verbundenen Schicksale digital zugänglich machen. Das Projekt „Stolpersteine NRW“ soll bald veröffentlicht werden, als App sowie im Desktop-Browser nutzbar sein. Die Raesfeld betreffenden Informationen hat der Heimatverein übermittelt.

Weitere Angaben über jüdische Spuren in Raesfeld unter: www.heimatverein-raesfeld.de

Spaziergang zu Orten jüdischen Lebens in Raesfeld

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