Raesfelder Münzfreunde über die Inflation
Die Raesfelder Münzfreunde beschäftigen sich auch mit ökonomischen und finanzpolitischen Entwicklungen der Epochen. In seinem Beitrag befasst sich Günter Kirol mit der Inflation in Deutschland in den 1920er Jahren. Und er nennt beeindruckende Beispiele, wie teuer Lebensmittel wurden.
Günter Kirol hat sich mit der Geschichte der Inflation in den 1920er Jahren befasst.
© Jüttemeier
Als ein Ei statt acht Pfennig 320 Milliarden Mark kostete
RAESFELD Geldscheine kamen im ersten Jahrtausend in China zur Ausgabe, so Günter Kirol in einem Beitrag der Fachleute. In Europa wurde 1661 in Schweden und 1694 in England begonnen, Papiergeld zu drucken. Preußen folgte Anfang des 18. Jahrhunderts.
Kaufkraft ändert sich
Die Kaufkraft sei einem steten Wechsel unterworfen gewesen, so Kirol. Speziell die Inflation in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg sei ein düsteres Kapitel. Durch Kriegskosten, Reparationen und den Produktionsrückgang in Industrie und Handwerk fehlte es an Geld und Waren. Ohne wachsende Produktion, aber mit zu viel Geld im Wirtschafts-Kreislauf ergaben sich Preissteigerungen und eine geringere Kaufkraft für die Menschen. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges begann eine wachsende Notlage der Deutschen. Die Reichsmark verlor zwischen 1914 und 1919 fast die Hälfte des Wertes. Die Inflation erreichte in den Jahren 1922 und 1923 den Höhepunkt. Anfang 1923 konnte die Reichsdruckerei nicht mehr genügend Banknoten herstellen. Allein 30 Fabriken lieferten Banknotenpapier, und 30.000 Menschen waren mit der Herstellung des Gelds beschäftigt.
Drastische Beispiele
Während 1914 ein Pfund Butter 1,30 Mark kostete, waren es Ende 1923 5,6 Billionen Reichsmark. Ein Kilogramm Brot verteuerte sich in dem Zeitraum von 14 Pfennig zu 470 Milliarden Mark; der Liter Milch von 24 Pfennig auf 280 Milliarden Reichsmark. Für ein Ei waren statt acht Pfennig 320 Milliarden Mark zu zahlen. Geldscheine wurden in Millionen, Milliarden und Billionen gedruckt. Der höchste Wert waren 1924 50 Billionen Reichsmark. Die Abbildung zeigt eine Medaille aus jener Zeit.
Ein Handwerker erhielt in der Region 1914 rund 90 Mark als Monatslohn. 1920 waren es zwar 120 Reichsmark, aber der Wert des Geldes war um die Hälfte geschrumpft. In der Hochzeit der Inflation wurden Arbeiter täglich bezahlt. Erst mit der Rentenmark 1924 stabilisierte sich die Lage wieder.
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