Raesfeld

„Koffieköppkes“ leisten Detektivarbeit

Um eine typische Handbewegung hat Robert Lembke in der TV-Show „Was bin ich?“ die Kandidaten früher immer gebeten. Eine kurze Berührung der Zungenspitze mit dem Zeigefinger und anschließend eine von links nach rechts wischende Handbewegung: Das könnte der Hinweis sein, den die Mitglieder der Gruppe „Koffieköppkes“ (Kaffeetassen) des Heimatvereins Erle in diesem Fall geben würden.

Von Borkener Zeitung / pd

01.03.2024

Die Koffieköppkes bei der Arbeit (v.l.): Margret Angrick, Elisabeth Hörnemann, Hanni Krusenbaum, Gisela Wenzel, Ingrid Horstmann, Agnes Kuhlmann, Gertrud Cluse, Monika Heßling, Charlotte Meiners und Hedwig Rentmeister.

Die Koffieköppkes bei der Arbeit (v.l.): Margret Angrick, Elisabeth Hörnemann, Hanni Krusenbaum, Gisela Wenzel, Ingrid Horstmann, Agnes Kuhlmann, Gertrud Cluse, Monika Heßling, Charlotte Meiners und Hedwig Rentmeister.

Runde aus Erle sortiert und archiviert historische Fotos

ERLE Die 13 Frauen und ein Mann, der zur Runde gehört, leisten einmal im Monat intensive Archivarbeit. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, alte Fotos zu sortieren und zu beschriften.

Bei Geburtstagstorte und Kaffee sitzen sie auch im Februar – wie gewohnt jeweils am dritten Mittwoch des Monats – zusammen. Bei Kaffee – da macht die Gruppe ihrem Namen zu Beginn eines jeden Treffens alle Ehre – und Kuchen stecken sie ihre Köpfe über vielen Foto-Ordnern zusammen und sortieren wieder.

Îm Jahr 2015 hat sich die Fotogruppe des Heimatvereins Erle diesen plattdeutschen Namen gegeben. Die meisten Mitglieder sind schon über 80 Jahre alt. Geleitet wird die Gruppe seit vielen Jahren von Hildegard Gülker und Hedwig Rentmeister. Ingrid Horstmann ist vor allem für die sprachliche Gestaltung zuständig.

Nach Kaffee und Kuchen geht es an die Arbeit. Insgesamt 17 Aktenordner mit rund 2000 Fotos haben die Frauen und Männer aus Erle in den vergangenen 30 Jahren archiviert. Im Detail: Die Fotos werden mit Jahr oder Datum, Anlass, Ort und den zu sehenden Personen beschriftet.

Häufig aus Nachlässen

Die Bilder bekommen sie von Erler Familien, häufig aus Nachlässen. Wollen Familien die Bilder wieder zurückhaben, werden Kopien angefertigt. „Bei einigen Fotos dauert es lange, bis wir das Bild datiert und alle Personen und den Anlass identifiziert haben“, wird Gertrud Cluse in einem Bericht des Erler Heimatvereins zitiert.

Die erste Generation der Fotoforscher, die sogar Personen auf Fotos aus dem 19. Jahrhundert noch persönlich gekannt hat, ist mittlerweile verstorben. In den 1990er Jahren konstituierte sich die Gruppe als Brauchtumsgruppe neu. Es wurden Texte über das Alltagsleben, besondere Ereignisse und Bräuche auf dem Dorf in der Vorkriegszeit vornehmlich auf Platt verfasst, vor allem von der im Jahr 2015 verstorbenen Dr. Elisabeth Schwane. Die Texte wurden auf Brauchtumsabenden vorgetragen und in Büchern und dem Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck veröffentlicht. Die Fotoarbeit rückte dann allmählich in den Vordergrund. Andreas Cluse hat damit begonnen, die Fotos systematisch zu digitalisieren. Seit 20 Jahren werden auch Totenzettel archiviert. Der älteste stammt aus dem Jahr 1868.

Weltliches Brauchtum

Ein weiteres Betätigungsfeld der „Koffieköppkes“ ist nach wie vor das kirchliche und weltliche Brauchtum. Es sind unterhaltsame Texte über Weihnachten früher, die Kookendaage um die Jahreswende, den Gang nach Emmaus, die Pingsterbruut, Fronleichnam, den Versehgang sowie plattdeutsche Redensarten geschrieben worden, die zu unterschiedlichen Anlässen vorgetragen oder veröffentlicht werden.

Aber auch als Zeitzeugen sind die „Koffieköppkes“ gefordert. Ganz aktuell haben sich Gertrud Cluse und Hedwig Rentmeister bereit erklärt, am Sonntag, 24. März, auf der geplanten Gedenkveranstaltung zur Bombardierung Erles am 23. März 1945 in der St.-Silvester-Kirche über diesen Tag zu berichten. Denn dieses Ereignis hat sich den damals Fünf- und Sechsjährigen unauslöschlich ins Gedächtnis eingebrannt.

Weitere Informationen über den Verein und die einzelnen ehrenamtlichen Arbeitsgruppen unter www.heimatverein-erle.de.

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