Raesfeld

Feldarbeit statt Hausaufgaben und Spielen

Wie haben Kinder vor rund 100 Jahren zur Zeit des Ersten Weltkriegs gelebt? Um diese und weitere Fragen ging es bei einem Besuch von Viertklässlern im Heimathaus in Erle. Der Heimatverein zeigt dort eine Ausstellung zu dem Thema.

Von Borkener Zeitung

27.03.2019

Carlo Behler hat den Schülern erklärt, wie der Alltag in Erle vor 100 Jahren ausgesehen hat.

Carlo Behler hat den Schülern erklärt, wie der Alltag in Erle vor 100 Jahren ausgesehen hat.

© pd

Silvesterschüler besuchen Heimathaus in Erle

ERLE Wie Kinder – auch in Erle – unter dem Ersten Weltkrieg gelitten haben, erfuhr eine vierte Klasse der Sebastianschule bei einem Besuch im Heimathaus. Dort haben sich die Kinder die Ausstellung über den Ersten Weltkrieg angeschaut, die der Heimatverein Erle erstellt hatte.

Im Unterricht hatten die Schüler das Buch „Und im Fenster der Himmel“ von Johanna Reiss gelesen. Darin beschreibt sie, wie sie sich im Zweiten Weltkrieg als Jüdin verstecken musste. Nachdem sie in der Schule vom Schrecken dieses Krieges gehört hatten, wollten sie in der Schau etwas über den Ersten Weltkrieg und seine Auswirkungen auf Erle erfahren, heißt es.

Historische Schulstube besichtigt

Zunächst haben sich die Kinder die historische Schulstube angesehen. Hier erfuhren sie aus der Erler Schulchronik, wie der Geburtstag des Kaisers am 27. Januar mit Gedichten, Reden und Liedern in der Schule gefeiert wurde. Die damals vermittelte Kaiserverehrung konnten sie mit dem Kinderlied „Der Kaiser ist ein lieber Mann und wohnet in Berlin“ nachvollziehen.

Dass dieser eine Mitschuld am Kriegsausbruch trug, erfuhren die Schüler in der Ausstellung, durch die sie Hannes Kempken und Carlo Behler vom Heimatverein Erle führten. In altersgerechter Form vermittelten sie ihnen, wie es zum Krieg kam.

Armut prägte das Leben vieler Familien

Beeindruckt waren die Grundschüler von den Berichten der Erler Schulchronik über das Leben der Kinder im Krieg. Statt Hausaufgaben zu machen oder zu spielen, mussten sie mit den Frauen die Äcker bestellen sowie Kräuter, Obst, Wertstoffe und Geld für Kriegsanleihen sammeln. Viele verzichteten auf das Frühstück in der Schule, weil Brot gespart werden musste. Viele vermissten die Väter, die an der Front waren, oder trauerten um sie, wenn sie gefallen waren.

Erstaunt waren die Schüler darüber, dass es früher in vielen Familien bis zu acht Kinder gab. Sie haben auch einen Film über den „Steckrübenwinter“ 1916/17 gesehen. Als Erinnerung an die Hungersnot hatte der Heimatverein den Besuchern der Schau kürzlich eine Steckrübensuppe angeboten

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