Bürgermeister appelliert: Haltet Abstand
Bürgermeister Andreas Grotendorst hat an die Raesfelder einen offenen Brief geschrieben. Darin appelliert er, sich an die Abstandsregeln zu halten, damit sich das Coronavirus nicht sprunghaft weiterverbreitet.
Arbeiten im Krisenstab mit (von links): Bürgermeister Andreas Grotendorst, Verwaltungsmitarbeiter Michael Mels und Ordnungsamtsleiter Markus Büsken.
© Rentel
Krisenstab kritisiert, dass Regeln nicht befolgt werden
RAESFELD Mit einem offenen Brief wendet sich Bürgermeister Andreas Grotendorst wegen der Coronavirus-Pandemie an die Raesfelder. „Anstand hat, wer Abstand hält“, betont er. Fachliche Unterstützung leistete Dr. med. Sarah Gößling.
Seit einer Woche gebe es im Rathaus einen Krisenstab, so Grotendorst. „Es wird immer deutlicher: Die Lage spitzt sich zu.“ Denn leider habe der Krisenstab den Eindruck, dass noch längst nicht bei allen angekommen ist, dass es nicht um eine Grippewelle geht. Es handele sich um eine sehr ernst zu nehmende Krankheit, die in wenigen Tagen das Gesundheits- und Wirtschaftssystem sowie das gesellschaftliches Leben gefährden oder sogar lahmlegen kann. „Das ist keine Übertreibung oder Panikmache.“
Auf soziale Kontakte verzichten
Deshalb seine dringende Bitte: Die Raesfelder sollten auf soziale Kontakte verzichten und einen Mindestabstand zu anderen Menschen von zwei Metern einhalten. Ein Rechenbeispiel für den Ort zeige, was passieren könnte, wenn tägliche Gewohnheiten nicht drastisch eingeschränkt werden: Im Ort gebe es (Stand Donnerstag) 22 Infizierte. Ohne Quarantäne, Schutzmaßnahmen und soziale Isolation würde es ein sprunghaftes Wachstum geben. Bei einer Verdopplung der Zahl der Kranken innerhalb von drei Tagen gäbe es in der Gemeinde am 27. Tag mehr als 10.000 Fälle. Grotendorst verweist auf eine Dunkelziffer von Erkrankten, die den Erreger in sich tragen und es nicht wissen oder krank und nicht getestet sind.
Aktuell habe Raesfeld etwa 11.300 Einwohner: Nach den bisherigen Erkenntnissen werden sich etwa 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung anstecken. Davon werden etwa 20 Prozent der Infizierten eine stationäre Behandlung benötigen, rund fünf Prozent eine Behandlung auf einer Intensivstation eines Krankenhauses. Daraus ergebe sich für Raesfeld folgende Hochrechnung: Mehr als 7000 Bürger werden sich infizieren. Davon müssten 1400 in ein Krankenhaus, und mehr als 70 Personen müssten auf eine Intensivstation. „Wir wissen alle, dass die vorhandenen Krankenhauskapazitäten dafür in keiner Weise ausreichen.“ Ohne Schutzmaßnahmen würde das Wirtschafts- und Gesundheitssystem in kürzester Zeit kollabieren.
Beispiele zeigen Modellrechnungen
Grotendorst: „Bei den Beispielrechnungen handelt es sich um Modellrechnungen, wie es kommen könnte.“ Dass sich vorausschauendes Handeln positiv auswirke und eine Chance ist, sei in Raesfeld zu belegen. Dem besonnenen Verhalten der Urlaubsrückkehrer sei es zu verdanken, dass die Fallzahlen seit fünf Tagen nicht gestiegen sind. „Dafür danke ich nochmal ausdrücklich.“
Er appelliert, vor Kommentierungen in sozialen Medien zu überlegen, was jeder dafür tun könne, damit sich das Virus nicht so schnell ausbreitet und den Beitrag zu teilen, damit möglichst viele informiert werden. Sein Appell: „Übernehmt Verantwortung.“ www.raesfeld.de
Gemeinde hat eine Liste erstellt
Die Gemeinde hat eine Liste erstellt, die zeigt, welche Geschäfte geschlossen sind, welche aktuell offen bleiben und welche Einschränkungen es gibt.
So dürfen Restaurants, Imbissbetriebe und Eisdielen Speisen nur zum Abholen anbieten oder ausliefern. Hotels dürfen ihre Gäste versorgen, aber keine Touristen.
Geöffnet sind Discounter, Monatsmärkte, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Tankstellen, Banken, Post/Zeitungsläden, Reinigungen, Garten- und Baumärkte, Landhandel (Tierfutter), Optiker, Akustiker (Hörgeräte), Bäckereien (nur ohne Café), Metzgereien, Fahrradwerkstätten, Autohäuser, Handwerksbetriebe, Rechtsanwälte, Steuerberater, Architekten und Versicherungen. Massage und Fußpflege müssen ärztlich zwingend sein.
Bei ihren Verfügungen ist die Gemeinde bestrebt, örtliche Einzel- und Sonderfälle zu berücksichtigen. Die Bürgermeister und der Landrat stimmen sich regelmäßig ab.
© Rentel