Borken

SPD-Kandidaten fordern „mehr echte Bürgerbeteiligung“

Ihre Nachnamen sind bekannt bei den Sozialdemokraten in der Region. Nun wollen Nora Bunse und Frederik Ludwig in die politischen Fußstapfen ihrer Väter treten und am 13. September in den Borkener Stadtrat gewählt werden.

Von Sven Kauffelt

16.08.2020

Wollen für die SPD in den Stadtrat: Nora Bunse und Frederik Ludwig.

Wollen für die SPD in den Stadtrat: Nora Bunse und Frederik Ludwig.

© Sven Kauffelt

BZ-Interview mit Nora Bunse und Frederik Ludwig

BORKEN. Am 13. September wird ein neuer Stadtrat gewählt, und die Parteien schicken auch neue Gesichter ins Rennen. Die BZ stellt einige davon im Interview vor. Am Pröbstingsee hat BZ-Redakteur Sven Kauffelt Nora Bunse (30) und Frederik Ludwig (32) getroffen, die für die SPD antreten.

Warum wollen Sie in den Stadtrat?

Bunse: Ich bin nach dem Studium vor einem Jahr wieder hierher in meine Heimat gezogen und möchte jetzt hier bleiben. Und damit Borken ein lebenswertes Städtchen bleibt, möchte ich mich einbringen, mitgestalten und mich einsetzen.

Ludwig: Das ist bei mir ganz ähnlich. Politik lebt vom Mitmachen und gerade im Kommunalen gehört dazu mehr als die Dominanz von Selbstständigen und Unternehmern, die ich im Stadtrat sehe. Ich glaube, da tut ein Gegengewicht gut.

Mit welchen Themen?

Ludwig: Da gibt es viele. Zum Beispiel fehlt mir bei den wirtschaftspolitischen Entscheidungen der Blick auf die Arbeitsplätze, auf die Menschen. Den Unternehmen wird immer der rote Teppich ausgerollt, aber mir wird zu wenig darauf geachtet, wie viele und welche Arbeitsplätze dort entstehen.

An welche Themen denke Sie, Frau Bunse?

Bunse: Die Entwicklung der Innenstadt liegt mir am Herzen. Ehrlich gesagt fehlt mir da einiges, es gibt auch zu viele Leerstände, das finde ich extrem schade. Und, aktuell, das Aus für die Geburtshilfe. Ich finde es einen Skandal, wie wenig die Politik für den Erhalt gekämpft hat. Und als Lehramtsanwärterin natürlich das Thema Schule.

Dazu steht eine wegweisende Entscheidung an. Wohin mit der Julia-Koppers-Gesamtschule? Die teurere Variante an der Parkstraße oder die günstigere in der Duesbergstraße?

Bunse: Ich glaube, Bildung kann gar nicht zu viel Geld kosten. Ich finde die Parkstraße einen guten Ansatz. Aber dafür muss man vor allem die Schulgemeinschaft mitnehmen, das Kollegium, die Eltern, die Schüler.

Ludwig: Das ist wieder das Thema Bürgerbeteiligung: Mit der Schulleitung hat man gesprochen, zu einer frühzeitigen Bürgerbeteiligung gehört aber viel mehr. Bisher sieht es so aus, dass Politik und Verwaltung mit einem fertigen Konzept in eine Veranstaltung gehen und sagen, wie sie sich das vorstellen. Wieso nicht die Bürger mitentscheiden, auch eigene Entwürfe und Ideen einbringen lassen?

Ist das realistisch?

Ludwig: Ja, man sieht doch seit Jahren, wie diese Veranstaltungen ablaufen. Sie sind schlecht besucht und von der Politik dominiert. Und es kommt das raus, was sich Verwaltung und Politik vorgenommen haben. Das führt dann dazu, dass der Aufschrei kommt, wenn alle sehen, was da umgesetzt wird.

Bunse: In dieselbe Richtung geht, dass wir ein Jugendparlament in Borken fordern. Gerade für so ein Thema halte ich das für wichtig, denn es geht doch um die Schüler dabei. Das finde ich ganz wichtig, dass sie dann auch frühzeitig abgeholt und wirklich mitgenommen werden.

Ludwig: Genau, und dafür wäre ein Jugendparlament der beste Rahmen.

Ihre Väter Gerhard Ludwig und Klaus Bunse sind SPD-Urgesteine in Borken. Kam da etwas anderes als SPD in Frage?

Bunse: Durchaus, es mussten bei uns ja auch nicht alle Schalkefans werden (lacht). Auch etwas anderes als die SPD hätte mein Vater akzeptiert, ganz klar. Aber die Themen liegen mir einfach am nächsten.

Was ist typisch sozialdemokratisch für Sie?

Ludwig: Ich sage immer: Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt. Nicht die Wirtschaft, vielleicht auch nicht immer die Umweltpolitik, aber der Mensch. Und da heben wir uns stark von anderen Parteien ab.

Welche Chancen rechnen Sie sich denn aus am 13. September in den Rat zu kommen?

Ludwig: Ich bin auf Listenplatz sechs, da glaube ich schon, dass es reicht. Klar, der Bundestrend spricht im Moment nicht für die SPD, aber hier in Borken waren unsere Ergebnisse auch gegen den Bundestrend immer recht konstant.

Bunse: Ich bin auf Listenplatz neun. Und sofern die Borkener nicht nur aus Gewohnheit wählen, sondern sich darüber informieren, was und wem sie ihre Stimme geben wollen, sehe ich durchaus Chancen.

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© Sven Kauffelt

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