Podcast: Demografischer Wandel könnte für Leerstände in Borken sorgen
Der demografische Wandel könnte in Borken für Leerstände sorgen, doch Zuzug könnte diesen Effekt auffangen. Die Borkener Immobilienmakler Andre Melis und Niklas Ebbeler diskutieren im BZ-Podcast über die Zukunft des Wohnungsmarkts und die Rolle von Sanierungen und Zuwanderung.
Wie wirkt sich der demografische Wandel auf den Immobilienmarkt aus? Darüber sprach BZ-Redakteur Stephan Werschkull (Mitte) mit Andre Melis (rechts) und Niklas Ebbeler.
© Bölker
BORKEN. Eine wachsende oder gleichbleibende Zahl von Kauf-Immobilien trifft auf weniger Interessenten. Das ist eine mögliche Auswirkung des demografischen Wandels, der die Gesellschaft schrumpfen lassen wird. BZ-Redakteur Stephan Werschkull hat dazu die Borkener Makler Andre Melis und Niklas Ebbeler zum BZ-Podcast „Stadtgespräch“ eingeladen. Die ganze Folge ist kostenfrei auf Spotify, Apple Podcast und der BZ-Internetseite zu hören.
Zuzug könnte demografische Effekte überwiegen
Billiger werden Eigenheim durch den demografischen Wandel wohl nur teilweise, vermutet Melis in dem Gespräch. Für ältere Immobilien dürfte der Preis sinken. Gut erhaltene und gedämmte Häuser würden aber wohl für ähnliche Preise wie heute gehandelt. „Deutschland wird weiterhin ein Zuwanderungsland sein“, sagt Niklas Ebbeler. Das sorge auch für neue Interessenten. Insbesondere Borken sei für den Zuzug attraktiv: „Wir haben einen guten Standort hier. Es ist sehr lebenswert.“ Der Zuzug könnte demografische Effekte ausgleichen, vermutet er. Dazu käme der Effekt, dass Menschen heute mehr Wohnfläche nutzen als früher.
Niklas Ebbeler unterteilt die Verkäufer in zwei Gruppen: Einerseits die, die sich bereits vor Renteneintritt Gedanken zum Wohnen im Alter machen und sich verkleinern. Andererseits gebe es die Gruppe, die solange am bekannten Haus festhält wie es geht. Andre Melis, selbst 60 Jahre alt, bestätigt die Beobachtung. Schwer sei es aber häufig, einen Ort loszulassen, der mit vielen Erinnerungen verknüpft sei. Da bleibe man im Zweifel lieber als alleinstehender Senior im großen Haus wohnen, statt in eine barrierefreie Wohnung umzuziehen.
Der Geldbeutel entscheidet
Wenn sich Menschen aber für ein neues Heim für das Alter entscheiden, spielen für sie seiner Beobachtung nach besonders zwei Faktoren eine Rolle: Einerseits der finanzielle Rahmen und andererseits, dass eine neue Wohnung mindestens drei Zimmer hat: Ob für den schnarchenden Partner, Enkelkinder oder als Rückzugsort zum Fußballgucken, der dritte Raum sei für Käufer im Alter wichtig, berichtet Melis.
Niklas Ebbeler hat noch etwas anderes beobachtet: Menschen, die sich kleinere Häuser kaufen. Dabei gehe es um „normalgroße“ Häuser mit 130 bis 150 Quadratmetern Fläche. Die Interessenten dafür hätten häufig zuvor noch größere Immobilien gehabt und wollten im Alter ein kleineres Grundstück haben. Wer hingegen eine Wohnung bevorzuge, lege häufig Wert aufs Erdgeschoss, hat Ebbeler erlebt.
„Wir haben einen guten Standort hier. Es ist sehr lebenswert.“
Niklas Ebbeler
In jedem Fall: Wenn ältere Menschen eine kleinere Bleibe suchen, müsste theoretisch doch Wohnraum für junge Familien frei werden, oder? Immerhin gibt es sogar ein Förderprogramm der staatlichen KfW-Bank: „Jung kauft alt“, das gezielt Familien den Erwerb von Bestandsimmobilien ermöglichen soll. „Es ist eine Überraschung, dass es nicht umgesetzt wird. Das hängt damit zusammen, dass sehr viele dieses Programm nicht kennen“, klagt Andre Melis. Dabei könne das Programm für Käufer „sehr lukrativ“ sein. Die passenden Immobilien gebe es, nur das Wissen zur Förderung fehle.
Der demografische Wandel wirkt sich auch auf den Wohnraum in Borken aus.
© Sven Kauffelt
Doch da gibt es noch ein Problem, berichtet Niklas Ebbeler. Die starke Nachfrage sei derzeit noch eine Hürde. Es gebe Fälle, in denen sich zwar junge Familien interessieren, aber die Immobilie letztendlich doch an einen älteren und finanzstärkeren Käufer geht. „Es bleibt eine Frage des Geldbeutels“, sagt der Borkener Makler.
Nicht sanierte Immobilien werden es auf dem Markt schwer haben
Der Wohnungsmarkt der Zukunft werde unter anderen Parametern ablaufen, vermutet Ebbeler. Durchsaniert und mit mehr PV-Anlagen werden die Immobilien dann gehandelt, glaubt er. „Der, der Wohnraum vermieten will, muss Sanierung vorgenommen haben“, prognostiziert auch Melis. Zudem werde der Zuzug nach Borken sich wohl verstärken.
Kritisch denken beide über Mehrgenerationen-Wohnprojekte. Das führe zu sozialen Problemen und auch zu Schwierigkeiten beim Verkauf von Häusern, sagt Ebbeler. „Es ist eine schöne Vorstellung“, räumt Melis ein. Doch in der Praxis sei das nicht umsetzbar. So erzählt er von einem Spruch, den ein Kunde gesagt habe. Der freue sich beim Besuch der Enkel genau zwei Mal: Wenn diese kommen und wenn sie wieder gehen. Trotzdem habe man das Enkelkind lieb, betont der Makler. Aber auf kurz oder lang klappe das Zusammenleben mehrerer Generationen in einem Haus häufig nicht.