Borken

Norbert Fasse kann Projekt zur Stadtgeschichte nicht beenden

Sein bedeutendes Projekt, eine dreibändige Reihe zur Borkener Stadtgeschichte, kann der ehemalige Stadtarchivleiter Dr. Norbert Fasse nicht beenden. Aus gesundheitlichen Gründen scheidet er als Mitherausgeber aus, wie die Stadt jetzt mitteilt. Der erste Band wurde im vergangenen Oktober vorgestellt, Band 2 und 3 müssen nun ohne ihn fertiggestellt werden.

Von Borkener Zeitung

22.07.2026

Dr. Norbert Fasse 2025 im Gespräch mit Prof. Dr. Hiram Kümper.

Dr. Norbert Fasse 2025 im Gespräch mit Prof. Dr. Hiram Kümper.

© pd

BORKEN. Der ehemalige Stadtarchivleiter Dr. Norbert Fasse kann das Projekt einer dreibändigen Borkener Stadtgeschichte nicht bis zum Abschluss begleiten. Aus gesundheitlichen Gründen gibt er seine Tätigkeit als Mitherausgeber der noch ausstehenden Bände 2 und 3 auf. Das hat die Stadt Borken nun in einer Pressemitteilung erklärt. Die Entscheidung sei ihm nicht leichtgefallen und werde von allen am Projekt Beteiligten bedauert, heißt es weiter.

Mit einer mehrbändigen Stadtgeschichte hatte der Historiker noch einmal ein bedeutendes Vorhaben angestoßen. Gemeinsam mit den weiteren Beteiligten entwickelte er die inhaltlichen und redaktionellen Grundlagen eines Projekts, an dem rund 20 Autorinnen und Autoren mitarbeiten, um über wenig erforschte Aspekte und noch nicht zusammenhängend dargestellte Abschnitte der Geschichte Borkens und seiner Ortsteile zu schreiben. Der erste Band wurde im Oktober vergangenen Jahres vorgestellt.

Über viele Jahre prägend

Dr. Norbert Fasse hat die Museums- und Archivarbeit der Stadt Borken über viele Jahre geprägt. Im Jahr 2000 wurde er als erster hauptamtlicher Leiter des damaligen Stadtmuseums und des Stadtarchivs eingestellt. Das seinerzeit stark heimatkundlich ausgerichtete und modernisierungsbedürftige Museum entwickelte er konzeptionell weiter und öffnete es für neue Publikumskreise. Dank räumlicher Erweiterungen konnte Fasse im Erdgeschoss mit historischen Druckpressen aus Borkener Betrieben eine Buch-Druck-Kunst-Werkstatt einrichten. Sein für das Landesförderprogramm Regionale 2016 geschriebenes Konzept brachte das Museumsprojekt sicher über die erste Qualifizierungshürde und ebnete den Weg zum heutigen Forum Altes Rathaus Borken (Farb).

Unfreiwilliger Wechsel

Dass er danach die Leitung des Museums aufgeben musste, sorgte für Diskussionen in der Borkener Kulturszene. Fasse ist bei Historikern wie Kunstliebhabern sehr beliebt. Nach seinem Wechsel in das Stadtarchiv konzentrierte sich Fasse auf die fachliche Verbesserung dieser bislang weitgehend ehrenamtlich betreuten, im Diebesturm untergebrachten Einrichtung. Nach personeller Verstärkung durch Thomas Hacker wurde das Stadtarchiv unter Fasses Leitung als moderner Ort der Forschung, Information und historischen Bildung weiterentwickelt.

Daneben war Norbert Fasse wissenschaftlich tätig. Im Verlag für Regionalgeschichte richtete er 2001 unter anderem eine Borkener Schriftenreihe für Ausstellungskataloge und stadtgeschichtliche Publikationen ein. Er forschte zur Geschichte der jüdischen Gemeinden Borken und Gemen, gab dazu mit Mechtild Schöneberg und Thomas Ridder einen Sammelband heraus und schrieb den umfassenden Einführungsteil.

Bedeutend für die städtische Erinnerungskultur

Die Stadt Borken dankt dem inzwischen pensionierten Archivleiter für sein Engagement, das auch der städtischen Erinnerungskultur galt. „Herr Dr. Fasse hat vieles in die Wege geleitet, was jetzt Früchte trägt“, würdigt Bürgermeisterin Schulze Hessing seine Tätigkeit bei der Stadt Borken. Viele der von ihm angestoßenen Entwicklungen würden über seine aktive Dienstzeit hinaus fortwirken.

Das Ausscheiden von Dr. Norbert Fasse aus dem Stadtgeschichtsprojekt erfordere „trotz der umfangreichen Vorarbeiten eine Reorganisation des Herausgeberkreises“, heißt es weiter. Dieser arbeite mit Hochdruck daran, Band 2 der Stadtgeschichte noch in diesem Jahr und Band 3 in 2027 zu veröffentlichen.

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