Leserbrief: Es liegt uns fern, Frauen auf eine Nebenrolle zu reduzieren
Leserbrief zur Diskussion um die Aufnahme von Frauen in Schützenvereinen.
© Rolf Vennenbernd/dpa
Ich habe den Eindruck, dass sich die Diskussion zunehmend in eine negative Richtung entwickelt. Das Schützenwesen steht nicht nur für die Bewahrung von Traditionen, sondern vor allem für den Zusammenhalt einer Gemeinschaft. Gerade zuletzt ist deutlich geworden, wie wichtig dieses Miteinander ist. Selbstverständlich ist es kein Privileg der Männer, Verantwortung zu übernehmen. Dennoch muss berücksichtigt werden, dass viele Vereine seit Jahrhunderten bestehen. Auch in unserem Verein haben bislang nur Männer die Möglichkeit, aktive Mitglieder zu werden. Gleichzeitig engagieren sich seit Jahren Frauen als passive Mitglieder. Seit den 1950er Jahren sind Frauen in der Damenkompanie aktiv.
Ich bin der Überzeugung, dass wir uns als Verein auf Augenhöhe bewegen. Es liegt uns fern, Frauen auf eine Nebenrolle zu reduzieren oder sie als „schmückendes Beiwerk“ zu betrachten. Im Gegenteil: Es steht außer Frage, dass Frauen – insbesondere rund um die Schützenfeste – einen erheblichen zusätzlichen Aufwand leisten, um Männern das ehrenamtliche Engagement zu ermöglichen. Gleichzeitig wissen wir, dass Freizeit und Engagement in Partnerschaften immer gemeinsam abgestimmt werden müssen. Für diese Unterstützung sind wir sehr dankbar.
Unbestritten ist auch, dass ein diverses Umfeld einen positiven Beitrag zur Zielerreichung leisten kann. Wenn jedoch zusätzlich Druck aufgebaut wird, kann der Eindruck von Bevormundung entstehen. Das führt häufig zu Ablehnung. Wir verschließen uns nicht gegenüber Frauen im Verein. Allerdings kann nicht erwartet werden, dass jede Satzung ohne vereinsinterne Diskussion geändert wird. Grundsätzlich spricht nichts gegen die aktive Aufnahme von Frauen – dennoch muss jede Entscheidung von den Vereinen getroffen werden.
Am Ende dürfen wir nicht vergessen, wofür das Schützenwesen steht: Ordnung, Eintracht, Frohsinn und Gemeinwohl. Wir sollten uns dieser Thematik als Vereine offen und sachlich nähern. Unser Ziel muss es sein, gemeinsam Lösungen zu finden – nicht, die Gemeinschaft in zwei Lager zu spalten. Nur durch respektvollen Dialog können wir weiterhin unsere Tradition leben und gemeinsam feiern.