Borken

Leserbrief: „Demokratie muss erneuert und im Alltag erlebbar werden“

Leserbrief zur BZ-Serie „Demokratie braucht viele Stimmen“.

Von Hubert Borgmann aus Gemen

16.09.2026

Symbolbild.

Symbolbild.

© Rolf Vennenbernd/dpa

Dass die demokratische Gesellschaftsordnung in den Augen vieler Mitbürger an Ansehen verliert, zeigen die Wahlergebnisse der vergangenen Monate. Populisten verachten die oft mühsame Suche nach tragfähigen Kompromissen. „Die da oben machen ohnehin, was sie wollen“ – dieser Satz ist längst nicht mehr nur über die Politik in Berlin und Düsseldorf zu hören, sondern auch über Entscheidungen auf kommunaler Ebene.

Politik bedeutet in ihrer ursprünglichen Wortbedeutung, die Angelegenheiten der Gemeinschaft zu regeln. Dies allein alle paar Jahre über den Wahlzettel zu tun und die Verantwortung anschließend an gewählte Volksvertreter abzugeben, reicht nicht aus. Demokratie muss erneuert, weiterentwickelt und im Alltag erlebbar werden.

Die Mitarbeit in einer Partei ist dafür ein wichtiger Weg. Doch viele Bürgerinnen und Bürger fühlen sich von den demokratischen Parteien nicht mehr ausreichend vertreten. Bürgerräte können hier eine wertvolle Ergänzung sein. Sie bringen Menschen mit unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten zusammen und ermöglichen einen Austausch jenseits parteipolitischer Fronten.

Durch ein repräsentatives Losverfahren ausgewählt, von Fachexperten unterstützt und mit einem klaren Arbeitsauftrag ausgestattet, können Bürgerräte Lösungsvorschläge erarbeiten. Diese können anschließend der Bevölkerung und den gewählten Volksvertretern als Grundlage für politische Entscheidungen dienen. So wird aus Betroffenheit Beteiligung und aus unterschiedlichen Sichtweisen gemeinsames Nachdenken über die Zukunft.

Angesichts steigender Ausgaben für Gesundheit, Rente, Sicherheit und Umwelt werden wir uns künftig auch in Borken auf Einschränkungen einstellen müssen. Zu solchen Veränderungen werden viele Menschen aber nur dann bereit sein, wenn sie das Gefühl haben, dass die Belastungen solidarisch verteilt werden.

Deshalb braucht unsere Demokratie Vertrauen, Dialog und echte Beteiligungsmöglichkeiten. Alle gesellschaftlichen Gruppen müssen sich gesehen und ernst genommen fühlen. Und sie müssen eingeladen werden, sich aktiv einzubringen. Denn Demokratie lebt nicht nur von den Stimmen, die alle paar Jahre abgegeben werden, sondern auch von denen, die zwischen den Wahlen gehört und so zur aktiven Mitwirkung animiert werden.

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© Rolf Vennenbernd/dpa

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