Leserbrief: Radschnellweg durch Gemen ist „städtebauliche Vollkatastrophe“
Leserbrief zur BZ-Berichterstattung über die Planungen für Gemen:
© Stadt Borken
Nachdem die Stadt Borken den Ortskern von Gemen seit Jahrzehnten eher stiefmütterlich behandelt hat, soll nun in Gemens Mitte der Bauturbo gestartet werden. Während die Pläne für den Klostergarten und der Freiheit noch positive Akzente setzen, gestaltet sich das Brückenbauprojekt inklusive des Schnellradweges als eine städtebauliche Vollkatastrophe. Es stellt sich die Frage, wie man gegenüber der historischen Ortsmitte ein derartiges Betonmonstrum in die Welt setzen kann. Allein der Sinn eines Schnellradweges erschließt sich schon nicht, wenn er mitten durch das Nadelöhr von Gemen führt, anstatt die bereits vorhandene Fahrradstraße Ramsdorfer Postweg zu nutzen. Vom ästhetischen Gesichtspunkt her kann man nur mit dem Kopf schütteln, da die malerische Kulisse entlang der Aa mit Blick auf die alte Mühle durch eine bis zu 4 Meter breite Radautobahn gestört wird. Welche Vorteile bringt der Radweg für Gemen? Ein Hotel und Geschäfte, die davon profitieren könnten, gibt es im Ortskern seit Jahren nicht mehr. Ein Bemühen der Stadt um eine Belebung des Orskerns durch Ansiedlung von attraktiven Geschäften hat es nie gegeben.
Auch wird kein Radfahrer den Radweg unter der Brücke nutzen, um z.B. in Richtung Cordula Schule zu fahren. Denn warum sollte man erst 100 Meter in die entgegengesetzte Richtung fahren, sich in den Radweg einfädeln, Höhenunterschiede bewältigen, um letztendlich über die neu geplante Ampel hinter der Christus-König-Kirche auf die richtige Seite zu gelangen. Radwege in Richtung Borken gibt es ohnehin bereits ausreichend.
Darüber hinaus führt das Trogbauwerk unter der neuen Brücke zu einer Abholzung von mindestens 10 größeren Bäumen, zu einer Verkleinerung der Kirmes, zu einem Verlust von 30 Parkplätzen sowie dem Wegfall des Fußweges zwischen Aa und Spielplatz. Eine Gefährdung der Kinder auf dem Spielplatz durch Schnellradler sollte nicht unerwähnt bleiben.
Gegen eine Verbreiterung der Brücke aus Hochwasserschutzgründen ist nichts einzuwenden, auf das Trogbauwerk und den Schnellradweg sollte aus den vorgenannten Gründen jedoch verzichtet werden, zumal die Realisierung und Förderung des Schnellradweges gar nicht gesichert ist.
Der Neubau der Brücke ohne Radweg würde zu einer kürzeren Bauzeit und einer geringen Belastung der Gemener Bürger führen.
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